Meine nächsten Termine

  • 07.12.2021: AG Neue Mitglieder besser integrieren
  • 08.12.2021: GWA Veteranen
  • 08.12.2021: K.Graves
  • 15.12.2021: Bürgernetzwerk, Steuerungsgruppe
  • 15.12.2021: RC Odenwald Neckarkreis, Clubleben im Stresstest

Wie sichert Rotary Zusammenhalt und Relevanz?

20 Aug
20. August 2021

Blog 257/August 2021
Guten Tag,
mich hat in der Tat die Frage in der Überschrift „Wie sichert Rotary Zusammenhalt und Relevanz?“ Von Anbeginn meines stärkeren Engagements für Rotary interessiert, vorher galt die gleiche Frage der evangelischen Kirche. So kann denn meines Erachtens der nachfolgende Text Rotary spezifisch und mit gewissen Abstrichen auch für andere Organisationen der Zivilgesellschaft geltend gelesen werden. Er ist bei Rotary online erschienen.
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

Ego zügeln, aber sichtbar sein: Was Rotary zusammenhält und relevant macht.

Wodurch wirkt man? Für Theodor Fontane war die Antwort eindeutig: Wenn seine Eltern sich darin versuchten, „mit den herkömmlichen pädagogischen Mitteln einzugreifen, (wurde) unser normaler Nicht – Erziehungsprozess gestört, teils nutzlos, teils geradezu schädigend.“ Entscheidend sei gewesen, wie die Eltern sind, „wie sie durch ihr bloßes Dasein auf uns wirken“.
Bei Rotary gibt es ein Agieren in Zurückhaltung, weniger, weil es aufgeschrieben ist (es gibt Benimm-Regeln), sondern vielmehr, weil es immer wieder vorgelebt wird. Das lässt sich nach innen wie nach außen beobachten. Nach innen verdeutlicht sich diese Haltung darin, dass ganz im Gegenteil zu den Gründern innerhalb von Rotary direkte Geschäftsanbahnungen verpönt sind, was nicht heißt, dass sie nicht vorkommen. Aber dann ergeben sie sich, weil ein Netzwerk ein Nützwerk ist, aber nicht, weil man sich dazu verpflichtet fühlt. Ähnliches gilt für die Vertretung von Glaubensauffassungen. Es herrscht der Comment der Zurückhaltung. Das Miteinander wird, das zeigen die Selbstcharakteristika der Clubs unzweifelhaft, vorrangig als freundschaftlich beschrieben. Trotzdem oder deswegen?

Lesen Sie sich bitte mal durch, wie sich ein Club in Jerusalem 1931 selbst beschrieben hat und nehmen wir an, die Selbstbeschreibung entsprach (mindestens weitgehend) der Realität. Dann könnten wir uns fragen, was das Geheimnis eines solchen Miteinanders ist. Und zweitens, warum uns ein Clubleben in solcher ideologischer Divergenz heute nicht mehr möglich scheint:
Wir haben ein buntes Gemisch in unserem Club, etwa zehn Nationalitäten, fünf verschiedene Sprachen. Rotary liefert uns den gemeinsamen Rahmen, ungeachtet aller Unterschiede in Rasse, Religion und Sprache. Wir haben überzeugte Zionisten und ebenso überzeugte anti – zionistische Araber im Club, Briten, Amerikaner, Deutsche. Sie alle begegnen sich als Rotarier freundschaftlich, obwohl sie sich im Übrigen bei vielen Themen deutlich unterscheiden.

In früheren Jahren konnten Rotarier in einem Club über Jahre verbunden sein und sind gleichwohl beim „Sie“ und „rotarischen Freund“ geblieben. Erst durch die Globalisierung und den damit verbundenen Siegeszug des Englischen ist das „Du“ gesellschaftlich derart beherrschend geworden, dass es auch den Weg in die Rotary Clubs gefunden hat. Aber der Unterschied zwischen einem rotarischen Freund und einem Freund ist damit nicht aufgehoben. Was freilich nicht ausschließt, dass aus einem rotarischen Freund ein Freund wird, von denen man im Durchschnitt, das zeigen Befragungen, fünf oder sechs hat. Nicht mehr.

Die gleiche Zurückhaltung gilt in aller Regel nach außen. Hilfe ja, politische Einmischung nein. Als unser Distrikt aus guten Gründen, die hier nicht näher erläutert werden sollen, eine Petition an politische Instanzen in Berlin und Brüssel schickte, man möge alles tun, um eine weiteren Niederschlagung der Zivilgesellschaft in Belarus zu verhindern, spendeten die einen Rotarier Beifall („Endlich mal gesellschaftliches Engagement“), während andere prinzipielle Bedenken anmeldeten („Rotary soll nicht politisch agieren.“).

Weltpräsident Holger Knaack riet dazu, als Rotarier sich gesellschaftlich zu engagieren, als Rotary freilich sich zurückzuhalten. Ist diese Unterscheidung eine überzeugende Antwort auf die Frage, wann man im Club die Reißleine ziehen und sich von Mitgliedern trennen sollte, wenn diese nach Auffassung anderer Clubmitglieder sich ethisch zu angreifbar verhalten haben? Ist diese Unterscheidung eine überzeugende Antwort auf die Frage, wann man als Club, als Distrikt, als Deutscher Governorrat oder gar als Rotary International sich politisch engagieren sollte, vielleicht sogar Partei nehmen müsste, wie es Rotary International im ersten Weltkrieg beispielsweise mit Parteinahme für die Alliierten getan hat, gegenüber der nationalsozialistischen Herrschaft angesichts des drohenden Verbots der Clubs aber unterließ?
Es gibt keinen eindeutigen Königsweg. Aber ich glaube schon, dass in der DNA von Rotary ein gewisses Maß an Zurückhaltung, ja Enthaltsamkeit enthalten ist. Wer glaubt, ein solches Verhalten könne ja nicht schwierig sein, soll sich bitte nochmals das Jerusalem-Zitat durchlesen und sich fragen, ob er (oder sie) in einem solchen harten Meinungsmix freundschaftliches Wohlfühlen entwickeln könnte. Das Modewort heißt Ambiguitätstoleranz und deren Schwinden wird konstatiert und als Verlust an demokratischer Substanz beklagt: die Fähigkeit nämlich, ohne selber werte- und meinungslos zu sein, um des freundschaftlichen Umgangs willen sein Ego, das auf Unzweideutigkeit drängt, zu zügeln.
Zum besseren Verständnis dieses Gedankens hilft ein Zitat vom Gründungsvater von Rotary, Paul Harris (1868-1947), der sagte „Rotary ist der Ansicht, dass die Interessen der Gesellschaft einen Raum verlangen, in dem sich Menschen verschiedener Herkunft, Glauben und politischer Parteien in glücklicher Gemeinschaft treffen können und möchte diesen Raum zur Verfügung stellen.“

Atheistenplakat, gesehen in San Diego im Balboa-Park 2021, Foto v. Vieregge

Dieses Selbstverständnis von Rotary war in den Gründerjahren nach 1905 noch nicht präsent. Paul Harris, der eine feine Witterung für Probleme hatte, fand, dass Rotary sechs Jahre nach Gründung eine Neuausrichtung brauche, weg vom rein selbstbezogenen Agieren. Er lernte Arthur F. Sheldon (1868-1935) kennen, einen durchaus erfolgreichen Unternehmer, der sein Hobby, anderen Unternehmern zu erzählen wie sie erfolgreich sein könnten, mehr und mehr zum Beruf gemacht hatte. und er sah in Sheldon den geeigneten Verkünder dieser Umpositionierung. Beim zweiten Treffen aller nationalen Clubs in Portland, Oregon, 1911 wurde in Abwesenheit des Urhebers sein Referat vom langjährigen Generalsekretär von Rotary, Ches Perry, vorgetragen und der Satz „He Profits Most Who Serves Best“ soll Beifallsstürme ausgelöst haben. Zwei Zitate als Reaktion:“We simply had the cart before the horse.“ (Rufus Chapin) und „Caveat emptor“ (Möge der Käufer sich in acht nehmen) sei somit überwunden, rief ein anderer . Für uns heute ist es gar nicht einfach, die damalige Begeisterung nachzuempfinden.

Es ging um das Wort Service. Das kannte man eigentlich als Gottesdienst oder als Dienst am Vaterland. Sheldon übertrug es in die Arena der Ökonomie. Was bedeutet dies bei einem Autor, der Fachbücher unter dem Titel The Art of Selling oder The Science Of Succesfull Salesmanship publiziert hatte? Die Rotarier sollen nicht länger nur Geschäfte unter sich, sondern mit allen machen. Dabei sollen die die Kunst (oder gar Wissenschaft) erfolgreichen Verkaufens beherzigen. Sie sollen zurückhaltend agieren wie ein versierter Verkäufer, der nichts von sich offenbart, was eine Kluft zwischen ihm und seinem Kunden öffnen könnte Jeder Mensch ist ein potentieller Kunde. Agiere respektvoll und fair und halte dich in allem, was die entstehende Beziehung stören könnte, zurück. Das zahlt sich letzten Endes auch für dich aus.

Die Wirkung dieser Argumentation sollte nicht unterschätzt werden. Schließlich war (ist?) Rotary im Kern eine Gruppierung von Menschen aus der Wirtschaft. So wie auch der zweite Großethiker der Organisation, Herbert J.Taylor (1893-1973). Er hatte den Erfolg seiner Vier-Fragen-Probe bei der Rettung eines Unternehmens erprobt, als er den Mitarbeitern auftrug, sich in ihrem Verhalten miteinander und gegenüber Kunden und Lieferanten entlang der vier Fragen zu orientieren. Somit wurde die Service-Leitidee „Verhalten wie gegenüber Kunden“ in die DNA von Rotary eingebrannt, und zwar gleichermaßen für den Umgang innerhalb der Clubs als auch in ihren Außenaktivitäten, die sich im Laufe der Jahre zunehmend bis ausschließlich auf die zivilgesellschaftliche Arena orientierten. Auch hier soll derjenige, dem geholfen wird, davon überzeugt sein, dass es um seinen Nutzen geht.
Der Begriff Servicewüste – für Deutschland oft in Gebrauch – soll anzeigen, dass das Verständnis als Dienstleister mangelhaft ist. Man bekommt keine Hilfe, wenn man sie braucht. Bezogen auf den bisherigen Argumentationsgang gibt es aber noch ein zweites Füllung dieses Begriffs: ungezügeltes Ego im Umgang miteinander lässt Vertrauen miteinander nicht entstehen. Das Ergebnis ist ebenfalls verheerend.

Eine Organisation, in der weder das eine noch das andere Verhaltensmuster dominiert, ist im Inneren vor Entzweiung geschützt und kann nach außen durch sein Handeln – siehe Fontane – wirksam gegen Nationalismus, Rassismus und andere Ideologien sein. Ich finde es bemerkenswert, dass ethische Verhaltensvorschläge aus dem Felde der Wirtschaft besser in das Konzept einer offenen Gesellschaft passen als konkurrierende Vorstellungen, deren Wahrheitsobsessionen nahezu zwangsläufig die gute Absicht in böse Praxis umschlagen lassen.

Zugespitzt wurde dieser Ansatz in der noch einfacheren Formel
„Service above self“, seit 1989 das Hauptmotto von Rotary. Es bedeutet nicht jeglicher Verzicht auf Eigeninteresse; das wäre entweder irreführend oder überfordernd.
Aber im Moment des Agierens soll das Eigeninteresse durch. Zurückhaltung, ja Enthaltsamkeit, gekennzeichnet sein. Das gilt innerhalb der Clubs und ist somit eine Voraussetzung für freundschaftlichen Umgang und es gilt für die Projektarbeit, die nur so in eine Entwicklungspartnerschaft münden kann, die beide beschenkt, den Nehmer und den Geber

Mehr Sichtbarkeit durch Brückenbau
Wer allerdings aus dieser Zurückhaltung, die sich auch gern mit dem Beiwort „vornehm“ schmückt, die Aufforderung zur öffentlichen Unsichtbarkeit versteht, sollte sich nochmals das Paul-Harris-Zitat am Anfang diesen Beitrags anschauen. Der Raum, den Rotary der Gesellschaft zur Verfügung stellen sollte, kann der interne, aber auch der öffentliche sein. Hier ist in Zeiten identitärer Argumentation von links und rechts ein wahrhaft großer Bedarf an Brückenbau, damit die klaffenden gesellschaftlichen Gegensätze nicht in feindlicher Unverbundenheit verbleiben. Rotary kann auf dem Hintergrund seiner Praxiserfahrungen und mit der Intelligenz und Führungsfähigkeit seiner Mitglieder der Offenen Gesellschaft Riesendienste erweisen, damit diese Gesellschaftsform zukunftsfähig bleibt. Und Relevanz und Attraktivität für neue Mitglieder unter Beweis stellen.. Also: Selbstlos im Agieren, aber keineswegs interessenlos.

Henning von Vieregge ist Publizist, iPDG in 1820. Der Text ist eine leicht überarbeitete Version aus dem gleichnamigen Beitrag in Henning von Vieregge/Reinhard Fröhlich/Hans-Werner Klein (Hrsg.), Clubleben im Stresstest, kostenlos bestellbar (kleine Spende für Nachhaltigkeitsprojekte erbeten) unter rotary.de/shop. Autoren sind neben den Herausgebern u.a. Holger Knaack, Rainer Hank, Gert Scobel, Volker Mosbrugger, Rupert Graf Strachwitz sowie fast vollständig die Governorcrew 20/21.

Der Hebammenverband hat einen Geschäftsführer mit Visionen – ein Interview

30 Jul
30. Juli 2021

Günther, Hebammenverband_Druckfassung

Blog 256, Juli 2021

Guten Tag,
das Interview mit Dirk Günther, Geschäftsführer des Deutschen Hebammenverbandes, erschien im Verbändereport Nr.3/2021 unter der Überschrift „Die Geschäftsführung hält den ‚Maschinenraum‘ am Laufen.

Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

Gastbeitrag Strachwitz: Massives Staatsversagen in der Pandemie

28 Jun
28. Juni 2021

Blog 255, Juni 2021
Guten Tag,
wenn jemand das sagt, was man selber sagen würde, wenn man es könnte,dann soll er das bitte tun.

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge
Vergl, auch den Beitrag von Rupert Graf Strachwitz, Rotary gehört zur Zivilgesellschaft: Neue Chancen für eine alte Institution, in: Henning von Vieregge, Reinhard Fröhlich, Hans-Werner Klein (Hrsg.), Clubleben im Stresstest, bestellbar kostenlos (freiwillige Spende erbeten) über Rotaryverlag/Shop

Rupert Graf Strachwitz,
(aus dem Vorwort des gerade publizierten Jahresberichts der Macenata-Stiftung)

Was für ein Jahr! Kluge Menschen, nicht zuletzt aus der Zivilgesellschaft, hatten jahrelang gewarnt, die Frage sei nur, wann, nicht aber, ob wir von einer Pandemie heimgesucht werden würden. Aber die Regierungen wollten es nicht hören.
Als die Pandemie dann ausbrach, behaupteten sie allen Ernstes, sie hätten sich das nicht vorstellen können, aber nun würden sie alles in die Hand nehmen, um Schaden von den Bürgerinnen und Bürgern abzuwenden. Für eine abschließende Bewertung, ob und inwieweit sie dies geschafft haben, ist es zu früh – und wir als Denkwerkstatt für Zivilgesellschaft und Philanthropie können nur einzelne Facetten dazu beisteuern.
Was uns aufgefallen ist, ist der große Gegensatz zur letzten großen Krise bei der Frage, wie sich die Bürgerinnen und Bürger helfend einbringen können. Damals war klar: Das berühmte „Wir schaffen das!“ war ohne bürgerschaftliches Engagement nicht zu verwirklichen, und in der Tat engagierten sich in der organisierten Zivilgesellschaft ebenso wie spontan -zig Tausende und schafften es. Jetzt war und ist nur noch von der „Bevölkerung“ die Rede, die den immer neuen Anordnungen zu gehorchen hat. Wer das auch nur partiell nicht widerspruchslos tat, sah sich schnell als Verschwörungstheoretiker, Unruhestifter und im schlimmsten Sinn „Querdenker“ abgestempelt.
Sachkenntnis und Erfahrung wurden ebenso vom Tisch gewischt wie Einsatzbereitschaft und Empathie. Es regierte der allmächtige Verwaltungsstaat –selbst dann noch, als längst klar war, daß dieser es eben nicht schaffen würde, zumal er politischen und das hieß allzuoft vom Wahlkampf bestimmten Vorgaben folgen mußte.
Die Pandemie hat das Vertrauen in die immer gepriesene deutsche Staatsverwaltung grundlegend erschüttert und lange verdrängte schwere Defizite offengelegt. Der Digitalisierungsrückstand ist nur eines davon. Zu konstatieren ist ein massives Staatsversagen.
In dieser Lage hat die Zivilgesellschaft die ebenso undankbare wie schwere wie notwendige Aufgabe zu helfen, wo sie kann, Read more →

Mit dem Abflauen der Pandemie kehrt die Hast zurück

21 Jun
21. Juni 2021

Brief 254/Juli 2021
Guten Tag,

Mit dem Abflauen der Pandemie kehrt die Hast zurück. Zum zweiten Mal geimpft habe ich das Bedürfnis, mir die Haare schneiden zu lassen. Ich bewundere das Tempo, mit dem der Friseur ans Haarwerk ging.
„Wir sind zwar Ausländer, aber dies ist ein deutscher Laden“, sagt der Friseur
„Und was bedeutet das?“ frage ich
„20 Minuten“.
Ich verstehe nicht, der Marokkaner erklärt:
„Ein deutscher Mann will nicht länger als zwanzig Minuten beim Haare schneiden zubringen.“
20 Minuten? Mir fällt ein, dass ich von dieser Zeiteinheit schon einmal gehört habe. Ich erzähle die Geschichte dem Friseur und die geht so.
Es war in Kenia, im Massaigebiet, am Rande zum Schutzgebiet. Walter, Brigitte und ich saßen im Jeep auf der Suche nach Löwen. Aus dem halbhohen Gras tauchte eine Gruppe von Massais auf. Sie boten ihre Dienste an. Wir einigten uns mit dem Chef und mein Freund fragte ihn, wie lange es dauert, bis er uns Löwen zeigen könne.“Twenty Minutes“, sagte der Massai. Wir fuhren ein Stück, unser Führer hatte sie als erste gesehen. Keine Löwen, sondern Touristen Autos, zumeist Jeeps, 3, 4 Stück, im Stillstand. Jeder erfahrene Safari Tourist weiß, das bedeutet, da ist was zu sehen. In der Tat: Es war eine Löwengruppe, die sich zufrieden und gesättigt hinter den Resten eines Gnus gruppiert hatte. Hyänen in Sichtweite lauernd, auch Geier waren im Anflug. Kurzum: ein großartiges Erlebnis. Unser Führer wurde entlohnt und befragt:
– How did you know that we would find lions within twenty minutes?“
– I didn’t know.
– But you promised 20 minutes.
– That’s what the tourists want to hear.
In Kenia rufen die Einheimischen den Touristen „Pole, pole“ zu und lachen. Das heißt „langsam, langsam“. Sie sollten besser auf den marrokanischen Friseur oder ihren Massai-Landsmann hören. „Ready in latest 20 minutes“ wäre der touristentauglichere Spruch, eine Maßeinheit der Eile, die nicht nur bei Urlaubsreisen gilt.
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

Clubs im Stresstest, Rotary in der Pandemie -und danach?

14 Mai
14. Mai 2021

Cover 6

253/Mai 2021
Guten Tag,
unser Buch ist auf dem Weg. Hier ein Ausschnittsbeitrag von Hans-Peter Meister zum Thema Rotary, Nachhaltigkeit und Netzwerk.
Netzwerk Nachhaltigkeit: Wie Rotary seinen Gemeinwohlnutzen steigern kann
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge
P.S. Der Flyer

Rotary steht für Nachhaltigkeit
Wofür steht Rotary eigentlich? Wir wollen eine aktive Rolle spielen bei der Gestaltung der Gesellschaft, wir wollen (selbstlos) dem Gemeinwohl dienen, gemeinsam an dauerhaften (nachhaltigen!) Veränderungen arbeiten und bei alledem auch noch die Vielfalt der Menschen mit unterschiedlichen Herkünften und Hintergründen einbeziehen. Das ist interessanterweise genau das, was man heute unter der Überschrift Nachhaltigkeit formulieren würde.
Nachhaltigkeit: Die Integration von Ökologie, Ökonomie und Sozialem
Nachhaltigkeit im richtigen Sinne, bedeutet ein Lebenskonzept, das alle Aspekte menschlichen Lebens integriert: eine gute wirtschaftliche Situation, gesunde Natur und Umwelt und stabile soziale Beziehungen

Die Frage nach dem guten Leben erfordert gesellschaftliche Dialoge
Die Integration von Ökologie, Ökonomie und Sozialem ist nichts anderes als die Frage nach dem guten Leben. Denn nur wenn alle drei Dimensionen in einem ausgewogenen Gleichgewicht realisiert sind, fühlen wir uns wohl. Das Wohlfühlen ist jedoch kontext-, wissens-, kultur- und zeitabhängig. Europäer, Asiaten, Amerikaner oder Afrikaner haben unterschiedliche Erwartungen und sogar innerhalb eines Landes gibt es unzählige Ideen dazu. Deshalb braucht eine Gesellschaft immer wieder systematische Lern- Such- und Verständigungsprozesse, um den gemeinsamen Nenner in der konkreten Situation zu finden.

Rotary als zivilgesellschaftlicher Hüter der Nachhaltigkeit: jährliche Nachhaltigkeitskonferenzen
Rotary ist wie geschaffen dafür, sich als Hüter der Nachhaltigkeit zu entwickeln. Ein Vorschlag, wie wir das angehen könnten: Rotarische Clubs könnten jährlich gemeinsam mit der Bürgerschaft und der Zivilgesellschaft ihrer Kommune eine Nachhaltigkeitskonferenz abhalten und gemeinsam über das Thema „Gutes Leben in unserer Stadt“ diskutieren, Handlungsempfehlungen erarbeiten und jeweils mit den relevanten Entscheidern in Politik und Wirtschaft über Umsetzung reden. Zum Start wäre besonders das Thema Klimaschutz geeignet. Denn bis spätestens sollen die europäischen Kommunen klimaneutral sein – und das geht nur gemeinsam mit allen Akteuren sowie den Bürger:innen.

Interesse an Nachhaltigkeit und/oder Klimaschutz?
Derzeit bildet sich ein rotarisches Netzwerk in Deutschland, um diese Themen voranzutreiben. Wer Interesse hat, bitte gerne an hans-peter.meister@gmx.de wenden.

Der Biologe Dr. Hans-Peter Meister gründete 1995 das Beratungsunternehmen IFOK in Bensheim, das sich – damals Neuland – auf Mediation und Bürgerbeteiligung spezialisierte. Es gehört heute zur internationalen Cadmus-Gruppe. Meister gründete vor vier Jahren
das Bürgernetzwerk.

Der Text ist ein Ausschnitt aus einem längeren Beitrag, entnommen dem Buch von Henning v. Vieregge, Reinhard Fröhlich, Hans-Werner Klein (Hrsg.), Clubleben im Stresstest, Rotary in der Pandemie-und danach?, bestellbar ab 1.6. im Shop des Rotaryverlags. und über die Homepage des Rotarydistrikts 1820. Mehr Infos bei rotary-buch.neueufer.de-

Flyer Buch

Jungchemiker, Seniorenangebot und Doppelmitgliedschaft: Bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker gibt es Besonderheiten

12 Apr
12. April 2021

252/April 2021
Guten Tag,
wieder verweise ich gern auf die Zeitschrift Verbändereport. Dort ist in der Nr.1/2021 ein Interview erschienen, das ich mit Prof. Wolfram Koch geführt habe. Hier der Einstieg:

UNSERE FACHGRUPPEN
DÜMPELN NICHT“
Die Chemiebranche ist bekannt dafür, dass sie mit ihren Organisationen, Arbeitgeberverband
und Gewerkschaft eingeschlossen, sehr kooperativ zusammenarbeitet.
Wolfram Koch, Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh),
bezeichnet dieses Maß an Kooperationspraxis sogar als „Alleinstellungsmerkmal unserer
Branche“. Besonders ungewöhnlich ist etwa die Möglichkeit einer Doppelmitgliedschaft
in der GDCh und dem VAA, dem Führungskräfteverband der angestellten Akademiker
in der chemischen Industrie. Darüber hinaus sind auch die Öff nung der GDCh u. a. für
Studierende ebenso wie der Aufbau eines Angebots für Senioren der Branche wichtige
Erfolgsfaktoren. Die GdCH versteht sich in erster Linie als Netzwerk aller in der Chemie
Tätigen oder daran Interessierten. Was dies praktisch heißt, erläuterte Prof. Koch im
Gespräch mit Henning von Vieregge.

Wer sich für die Gesellschaft Deutscher Chemiker interessiert, erfährt hier mehr.
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

VR: Sie sind seit 18 Jahren Geschäftsführer; was waren die wesentlichen Veränderungen in der Gesellschaft Deutscher Chemiker seitdem?

Es hat sich eine ganze Menge verändert, nicht zuletzt, weil die Wissenschaft Chemie sich permanent verändert und sich das in unserer Struktur wiederfindet, so in der Zusammensetzung unserer Fachgruppen, so in den etwa 60 Ortsverbänden. Das sind alles Standorte, an denen Chemie eine Rolle spielt, in der Regel Universitätsstandorte, aber auch Industriestandorte.

VR: Es gibt 50 Universitäten mit Chemieausbildung, habe ich gelesen.

Genau! Aber es gibt auch Standorte wie Ludwigshafen oder Leverkusen, die keine Universitäten haben, an denen aber große Industrieunternehmen der Chemie tätig sind oder Aalen mit einer großen Hochschule für angewandte Wisssenschaften. Auf der anderen Seite gibt es in der GDCh über 30 Fachgruppen und Arbeitskreise, die sich mit verschiedenen Unterdisziplinen befassen. Da ist immer eine große Dynamik, weil wir auf die Entwicklungen in unserer Wissenschaft reagieren wollen und müssen. In den letzten Jahren sind neue Fachgruppen dazu gekommen, die nicht nur die klassischen Felder vertreten, sondern auch eher quer zu diesen Unterdisziplinen tätig sind. Beispielsweise gibt es eine Fachgruppe zur nachhaltigen Chemie oder eine, die sich mit allen Themen rund um Chemie und Energie befasst. Da geht es um die Rolle der Chemie in modernen Energiefragen – alles was mit Batterietechnik, mit Photovoltaik, mit sogenannten solar fuels aber auch mit Energiespeicherung usw. zu tun hat. Die Bedeutung der Chemie für alle diese aktuellen Fragen wird häufig unterschätzt.

VR: War die Grundstruktur vor zwei Jahrzehnten denn schon da? Es ist eine Art Matrix.

Diese Grundstruktur gibt es schon viel länger, eigentlich von Anfang an. Es gab ursprünglich zwei chemische Vereinigungen: die ältere, die 1867 gegründete Deutsche Chemische Gesellschaft und der Verein Deutscher Chemiker, der 20 Jahre später, also 1887 gegründet wurde. Die Deutsche Chemische Gesellschaft war vor allem im akademischen Bereich verortet und hatte eher wenig Mitglieder, Read more →

© Copyright - Henning von Vieregge