Meine nächsten Termine

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  • 08.08.2020: Charterfeier RC Frankfurt Rhein-Main (verschoben)
  • 12.08.2020: KidsCamp
  • 12.08.2020: Kids Camp (abgesagt)

Heimat und Epistula -Briefwechsel mit einem Schweizer

12 Jul
12. Juli 2020

Beitrag 236/Juli 2020

Guten Tag, mein Schweizer rotarischer Freund Reto Fritz schreibt weiter seine Epistula und ich antworte mit einem Brief, in dem ich ihm durchbuchstabiere, was Rotary und Heimat zusammenbringt.

Lieber Reto
Du hast mich gefragt, ob ich ein Motto für mein rotarisches Governor-Jahr habe. Ich erzählte Dir, dass mein Leitwort „Offene Heimat Rotary“ heißt. Die Ratlosigkeit in Deinem Gesicht war unübersehbar. Da es keine Zeit zu Erklärungen gab, habe ich dir angeboten, Dir einen Brief nach Zürich mit Erläuterungen zu schreiben.
Wie anfangen? Ich beginne mit Rotary. Wir sprechen uns bei Rotary, wie Du ja weißt, mit “Freund xy“ unter Weglassung aller Titel an. Dahinter steckt ein ziemlich breiter Begriff von Freundschaft, fast so breit wie bei Facebook. In Deutschland gibt es 56.000, in der Schweiz 14.000 und weltweit 1,5 Mio Mitglieder. Allgemein gilt: Was früher „Bekannte“ waren, wird heute unter die Rubrik „Freunde“ gestellt; Freunde oder solche, die es werden können, „Verdachts-Freunde“ könnte man sie nennen. Sie werden behandelt als ob… Darüber kann man lästern, geschieht ja auch nicht selten. Aber bei näherem Nachdenken entdeckt man den Wert einer solchen Regel: Uns Rotarier (immer auch weiblich zu denken) soll Freundschaft verbinden. Wir sollen uns freundschaftlich zueinander verhalten; zivile Umgangsformen wären das Mindeste. Diese Verabredung schafft innerhalb der Clubs ein Klima, in dem man sich besonders wohl fühlt. Ja, Rotary wird so zur Heimat, gewiss nicht als wichtigste Quelle von Heimat, aber doch für viele als eine Quelle mit besonderer Heilwirkung. Jedenfalls für diejenigen Rotarier, die sich einigermaßen regelmäßig bei den unterschiedlichen Anlässen in Beziehung zueinander begeben, dabei von sich preisgeben und sich in freundschaftlicher Duldsamkeit Generationsunterschieden und anderen Meinungen aussetzen. Die ganze rotarische Community steht dem einzelnen Rotarier als eine weltweit agierende Freundschaftsbewegung offen und nicht wenige Mitglieder machen davon Gebrauch, beispielsweise bei Auslandsreisen oder übernationalen rotarischen Zusammenkünften wie zuletzt bei der Welt-Convention in Hamburg, wo fast 30.000 Rotarier zusammen kamen. Nicht zu vergessen der Jugendaustausch, der größte dieser Art durch eine zivilgesellschaftliche nicht profitorientierte Organisation, oder durch die breit gefächerte Stipendiatenförderung. Und: Dadurch, dass Aktionen und Aktivitäten in die Gesellschaft getragen werden, schafft Rotary auch nach außen Heimat, besonders im lokalen Umfeld.
Wer sich engagiert, liefert nicht nur Zeit und Geld und Know How. Das Entscheidende ist, dass Hilfe Wertschätzung erzeugt. Oder besser: erzeugen kann. Und zwar auf beiden Seiten, auf Seiten des Helfers und dessen, dem geholfen wird. Der Helfer ändert durch sein Tun seine Perspektive, er sieht nun die Welt nicht wie gewohnt und das heißt Read more →

Gestern lebensgefährlich, heute eher harmlos? Die Pandemie-Gefahr bleibt, deren Einschätzung ändert sich.

18 Jun
18. Juni 2020

Beitrag 235/Juni 2020
Guten Tag,
nun ist alles normal als sei nichts gewesen?
– Ist denn der Impfstoff da?
– Kann man nun leichter herausbekommen, wer mit Covid 19 schon durch ist ohne es zu wissen?
– Ist man sich sicher, dass die neue App Infektionsketten schneller und effizienter verfolgen lässt?
Alle drei Fragen sind mit „Nein“ zu beantworten.

Das was sich im öffentlichen Diskurs ändert, ist die Einschätzung der Gefahrenlage.
Soziale Verwahrlosung, Übersterblichkeit nicht an sondern wegen Corona (Angst der Menschen vor Ansteckung), Arbeitsplatzverluste, Pleiten: Man kann nun ins Gespräch bringen was vor wenigen Wochen noch tabuisiert war.
Damals lautete das alles überwölbende Entrüstungsargument “ Für dich ist der Profit wohl wichtiger als die Gesundheit“.

Jetzt lautet das Konsensargument: „Alles richtig gemacht zu seiner Zeit. Jetzt gilt es umzusteuern.“
Was verblüfft ist der Gleichklang in den Medien, auch beim Umschwenken.

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

P.S.
Mein Schweizer Freund Reto epistelt weiter. Sehr zum Vergnügen seiner Leser.
Epistula 10EPISTULA 9 in tempore CoronaeEPISTULA 8 in tempore Coronae

Bußgeldkatalog für Politik und Verwaltung ist überfällig- Sich endlich wieder auf Zusagen staatlicher Stellen verlassen-Gleichbehandlung von Bürgern und seinem Staat herstellen

01 Jun
1. Juni 2020

Beitrag 234/Juni 2020

Guten Tag,

Torsten Traxel und sein Team vom Mombacher Schwimmbad können gar nicht genug gelobt werden. Sie haben in kürzester Zeit die Vorschriften zur Öffnung in intelligenter und kundenfreundlicher Weise umgesetzt. Aber warum haben Politik und Verwaltung es wiederum nicht hinbekommen, wie schon bei Restaurants, Schulen usw., ihre Richtlinien rechtzeitig vor dem Eröffnungstermin fertig zu stellen? Bürger, die Termine nicht einhalten, können vom Staat nicht auf Verständnis rechnen. Wer seine Steuerklärung verspätet abgibt, findet kein Verständnis für die Begründung, er habe eben sorgfältig gearbeitet. DerStaat hingegen begründet jede Verspätung mit Sorgfalt und nutzt aber seinerseits alle Möglichkeiten der Abstrafung bei Terminüberschreitung seiner Bürger. Die aber haben umgekehrt diese Möglichkeiten nicht. Wer in der Wirtschaft nicht pünktlich liefert, muss mit Abschlägen rechnen. Nicht selten sind Strafzahlungen bei Verspätung Bestandteil von Verträgen. Wenn Politik Bürgern einen Zeitpunkt X der Fertigstellung, hat der Bürger aus Erfahrung wenig Hoffnung, dass die Zusage eingehalten wird. Dabei gäbe es Möglichkeiten, Verlässlichkeit staatlichen Handelns herzustellen. Zum Beispiel: Es werden Strafen für Terminübertretungen eingeführt, so wie ein Bußgeldkatalog. Die Bußgelder werden aber nicht aus der Staatskasse bezahlt (sonst würde sich der Bürger selber bestrafen), sondern von den Gehältern der Beteiligten aus Politik und Verwaltung. Man würde sich wundern, mit welcher Durchsetzungskraft staatliches Handeln, gemessen an Ausgaben – und Termintreue, umgesetzt würde.

Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

Krisenkommunikation, aber richtig: Ein Interview und zwei Episteln

26 Mai
26. Mai 2020

Blog 233 Mai 2020
Guten Tag,
erst die Arbeit, dann das (Lese-)Vergnügen. In Krisen sind Krisenfachleute gefragt, wie man denn richtig kommuniziert. Ich habe für den Verbändereport nachgefragt. Und: Reto hat und zwei weitere Corona-Episteln geschickt.

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

Das Interview
Roselieb-Interview

Die Episteln:
EPISTULA 6 in tempore Coronae Neu!EPISTULA 7 in tempore Coronae

Reto: ein Schweizer Coronist

13 Mai
13. Mai 2020

Blog 232, Mai 2020

Guten Tag,
man könnte meinen, der Schreiber stehe unter Lagerkoller. Nein, nein! Der Schreiber (für alle, die sich fragen, wer das sein soll:ich) hat sich entschlossen, einem Freund das Feld zu überrlassen: Reto Fritz, einem Musiker aus der Schweiz. Wir haben uns über Rotary kennengelernt. Wir sind beide in 20-21 (von Juli bis Juni) Governor. Das Foto zeigt uns im Regionenbüro Europa, Afrika vor einem Bild von Rotarygründer Paul Harris. Reto nun vertreibt sich seine Zeit auf seine Weise. Es wäre geradezu unfair, zumal er natürlich damit einverstanden ist, die wunderbaren Epistula von Reto Fritz in hiesigen Breiten nicht anzubieten.
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

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EPISTULA 3 in tempore CoronaeEpistula 4EPISTULA 5 in tempore Coronae

Wehrt Euch! Wege aus der Altersfalle

02 Mai
2. Mai 2020

Blog 231/Mai 2020

Guten Tag,

zu dem Beitrag,der nachfolgend abgedruckt ist, schrieb mir mein Freund TS eine Mail, die ich auszugsweise wiedergeben möchte, verbunden mit einer Antwort. Beides hilft nochmals , den Gedankengang des längeren Beitrags einzuordnen. Menschen über 65 tragen, wenn die bishewrigen Forschungsergebnisse zu Corona sich bestätigen, ein anderthalbfaches Ansteckungsrisiko gegenüber Jüngeren, Kinder hingegen sind der Ansteckung nur zu einem Drittel ausgesetzt. Hier wird von einem „Normalo“ ausgegangen, mittleres Alter, keine Vorerkrankungen. In Wirklichkeit variiert die Ansteckungsgefahr individuell erheblich. Kommunikation aber drängt auf Verallgemeinerung.

TS schreibt

Lieber Henning,

danke für Deinen sehr lesenswerten Beitrag „Wehrt Euch! Wege aus der Altersfalle“. Er verdeutlicht den Generationenkonflikt in der aktuellen Corona-Krise und zeichnet einen nachvollziehbaren Weg für dessen Überwindung im Sinne einer Generationensolidarität.

In der Tat, es droht die Rückkehr zu als überwunden geglaubten Altersbildern. Die Formeln „Wer heute alt ist, ist morgen tot“ und „Alt gleich krank“ sind immer noch präsent. Ein Beispiel: Dem Grünen-Politiker Boris Palmer, OB von Tübingen, stößt vor allem der Schutz älterer Menschen auf. „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären – aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen. Wenn Sie die Todeszahlen durch Corona anschauen, dann ist es bei vielen so, dass viele Menschen über 80 sterben – und wir wissen, über 80 sterben die meisten irgendwann….“ Also: Alle Alten sind ein Risiko. Politisch-ökonomisch: Dem Schutz des Lebens darf in der derzeitigen Krise nicht alles andere untergeordnet werden (Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble).

Die Bekämpfung der Corona-Pandemie und die Diskussionen um die Lockerung der Maßnahmen geraten zum Generationenkonflikt: Auf der einen Seite steht die Gesundheit der Alten und Schwachen, auf der anderen das Wohlergehen und die wirtschaftliche Existenz der Jüngeren. Ein schweres moralisches Dillemma. Schon fragt manch einer: Ist es richtig, die Rücksicht auf Alte zur obersten Priorität der Anti-Corona-Maßnahmen zu machen? Ist es zu verantworten, enorm hohe Beträge für die Alten, die ‚ökonomisch unproduktiv‘ sind, aufzuwenden? Wie viel ist ein Mensch, insbesondere ein alter Mensch, eigentlich wert?

Es gibt den Spruch: „Solange man gesund ist, hat man alles…“ Mit Bezug auf die Senioren in den Altersheimen trifft dieser Spruch nicht zu. Die Gesundheit der meisten mag geschützt sein, aber der Preis ist der Verlust der Begegnung und vieler wichtiger Dinge und Gewohnheiten des täglichen Lebens. Auch durch den Schutz der Gesundheit scheint das Glücksgefühl im „heimischen Umfeld“ nicht zu steigen. Eher macht die Quarantäne viele Menschen unglücklich und damit jegliches Glücksgefühl zunichte.

Diejenigen, die in erster Linie Menschen retten wollen, halten es für zynisch, dass Menschenleben für Wirtschaftsinteressen geopfert werden. Diejenigen, die für einen Neustart der Wirtschaft sind, argumentieren damit, dass auch ein Zusammenbruch der Wirtschaft Menschenleben kostet. Noch nie in der Geschichte hat sich eine Infektion so schnell über den gesamten Globus verbreitet. Die CV-Pandemie ist die Schattenseite unserer Mobilität. Dass sie die Welt so völlig unerwartet traf, ist auch darauf zurückzuführen, dass die Wissenschaftler, die schon vor gut 15 Jahren vor einem solchen Szenario gewarnt haben, nicht ernst genommen wurden. Das mangelnde Problembewusstsein zeigt Ähnlichkeiten mit der Klimaforschung: Die Wissenschaftler, die sich mit der Thematik befassen und vor der Gefahr warnen, werden da wie dort nicht ernstgenommen.

Meine Antwort
Lieber T.

Man muss nur aufpassen, dass man auf die Gleichung alt ist gleich krank gleich gefährdet nicht hereinfällt. Entscheidend ist nicht das Zählalter, sondern der Gesundheitszustand. (Unabhängig davon,dass die Pandemie auch Kerngesunde niederstrecken kann).
Und das Gegenteil von medizinischem Tod ist nicht allein der wirtschaftliche sondern auch der soziale Tod.
Die Frage „Sie wollen wohl, dass noch mehr Menschen um der Wirtschaft willen sterben?“ ist eine einseitige Moralfrage.
In Entwicklungsländern kann man das sofort kapieren, bei uns mit Politikern, die so tun, als hätte der Staat für einen unendlichen Zeitraum unendliche Möglichkeiten, ist der Gedanke schwieriger zu vermitteln.
Hätte sich Boris Palmer, ein Polemiker von hoher Qualität, nicht auf Lebensalter und alte Menschen in seiner Polemik bezogen, hätte man seine Aussage ernsthaft diskutieren müssen.
Medizinethiker halten es für wünschenswert, dass durch Vorerkranken hochgefährdete Menschen die Gelegenheit erhalten, über ihre persönliche Entscheidung im Falle einer Erkrankung nachzudenken und diese niederzuschreiben. (bei denen es möglich ist)

Der Beitrag:

im Gefolge von Covid 19 können die Bemühungen von Experten, für ein differenziertes Altersbild zu sorgen, davongefegt werden. Es droht die Rückkehr zu längst überwunden geglaubten Altersbildern. Jahrhunderte lang galt der Erfahrungssatz: „Wer heute alt ist, ist morgen tot.“ Auf diese Aussicht sollten sich die Alten einstellen, sie sollten beten und sich nicht länger ins Alltagsgeschehen einmischen und schon gar nicht ihre Interessen vertreten. Noch in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hieß es seitens der Politik: Goldener Handschlag und ab in den Ruhestand, verbunden mit der Behauptung, dies sei Generationensolidarität. Als ob Arbeitsplätze eine feste Größe sind, geht der eine, kommt der andere. Mittlerweile hatte die Empirie dieses traditionelle Altersbild ad absurdum geführt: Geht man heute von der hierzulande gelernten Alters-Markierung 65 Jahre aus, dann sind diejenigen jenseits von 65 mittlerweile noch überwiegend fit und lassen sich –Alt 68er!- auch nicht beiseite drängen
Dieser Erkenntnis- und Realitätsfortschritt ist nun ernsthaft in Gefahr. Das alte Schema „alt gleich krank“ wird in Covid 19 Zeit wieder hervorgeholt, alle Alten werden zur Hochrisikogruppe ernannt, und sie werden aufgefordert, sich zurückzuziehen und die anderen machen zu lassen. Es lebe die soziale Distanz! Fehlt nur noch, dass der Staat, dessen Führung behauptet, Geld spiele bei der Bekämpfung der Pandemie keine Rolle, für freiwilligen Rückzug eine Prämie auslobt. Bei null Direktkontakten gibt es Read more →

© Copyright - Henning von Vieregge