Meine nächsten Termine
- 16.05.2026: Bei Buchmesse Gießen
- 10.06.2026: Auferstehungsgemeinde Mainz „Die Glücksverwöhnten“ Lesung
348/April 2026
Guten Tag,
Warum ist der Kampf gegen Polio wieder aktuell? Tim Sparwasser, Poliobeauftragter des Clubs RC Mainz Aurea Moguntia und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Mainzer Universitätsklinik lieferte unlängst in einem Statement aus Anlass eines Konzertabends zugunsten der Aktion die Begründung:
„Das Engagement von Rotary bei PolioPlus ist gerade jetzt wichtig, weil Polio dort zurückkommt, wo Krieg Gesundheitssysteme zerstört: In Gaza lief 2025 erneut eine Notfallkampagne, nachdem Polioviren wieder im Abwasser nachgewiesen wurden und Hunderttausende Kinder geschützt werden mussten.
Es ist auch wichtig, weil Konfliktzonen und fragile Nachbarregionen die Eradikation des Virus verhindern: Die Ukraine musste ihre Polio-Response trotz Krieg weiter stärken, und Iran bleibt nur deshalb poliofrei, weil an der Grenze zu Afghanistan und Pakistan harte Surveillance und Laborfähigkeit aufrechterhalten werden; Afghanistan und Pakistan sind weiter die letzten Länder mit endemischem Wildpoliovirus.
Und es ist gerade jetzt wichtig, weil globale Koordination und Finanzierung politisch unter Druck geraten: Die WHO erklärte nach der formalen US-Rückzugsnotifikation im Januar 2026 ausdrücklich, dieser Schritt mache die Welt weniger sicher, also müssen Programme wie PolioPlus die entstehende Lücke umso entschlossener schließen“
Seit 1985 unterstützt Rotary International mit allen Clubs weltweit das Programm, zuletzt unter dem Slogan „End Polio Now“. Unter Führung der WHO spendet auch die Melinda und Bill Gates Stiftung seit Jahren beträchtliche Mittel. Es ist zu befürchten, dass die Unruhen und Kriege weltweit die endgültige Ausrottung, die schon zu 99 Prozent geschehen war, verzögert.
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge
347/März 2026
Guten Tag,
Wir hängen fest. Einen Tag früher und wir hätten die Vereinigten Emirate ganz normal verlassen können. Ein Freund hatte noch gesagt, hoffentlich greifen die Amerikaner den Iran nicht an. Das war vor drei Wochen. Er hatte Saudi-Arabien und die Emirate besucht und hatte dabei offenbar ein besseres Lagebild über die Situation erhalten als wir in Deutschland. Unsere Medien hatten über die fortschreitend positiven Gespräche zwischen den USA und Iran in Sachen Atomkontrolle berichtet. Man sei kurz vorm Durchbruch.
Unser Aufenthalt verlängert sich nun mindestens um eine Woche. Meine Tochter wohnt mit Blick auf den Arabischen Golf, die Iraner sprechen vom Persischen Golf. Irgendwo dahinter liegt Iran, die kürzeste Entfernung beträgt 336 km. Nachts, seltener am Tag, hören wir ein Wummern, eigentlich nur einen kurzen Bums. Wir lernen, dass dies ein gutes Geräusch ist: Der Abwehr ist es gelungen, eine Rakete oder eine Drohne abzuschließen. Ein amerikanisches System namens Thaad, besser als das Patriot System, wie stolz berichtet wird, scheint effizient zu funktionieren. Jenes Patriot System, dass die Ukraine so gerne hätte und wir nicht liefern, ist hier schon veraltete Technologie. Die transparente Berichterstattung der offiziellen Stellen schafft Vertrauen. Demnach wurden (letzter Zwischenstand) 186 ballistische Raketen bisher entdeckt und 172 erfolgreich abgefangen. Die anderen fielen ins Meer. Eine landete im Land ohne große Schäden zu verursachen. 812 Drohnen wurden entdeckt, 755 abgefangen, 57 sind innerhalb der VAE abgestürzt oder gelandet. Acht Kreuzflugkörper wurden erkannt und zerstört.
Was wir von den deutschen und englischen Medien mitbekommen, ist Panikmache. Read more →
346/Februar 2026
Guten Tag,
Mariam Lau hat in der ZEIT vom 5. Februar 2026 ein lesenswertes Portrait über den AfD Co-Vorsitzenden Timo Chrupalla geschrieben. Darin berichtet sie, dass Chrupalla in Maischberger Talkshow das Wort „Metapher“ in etwas fragwürdigem Zusammenhang benutzte, worauf der frühere Sozialminister Heil zu seinem Diskussionspartner sagte: „Sie können das Wort Metapher ja nicht mal definieren.“
Mich würde interessieren, ob Hubertus Heil es inzwischen für geboten hält, sich bei Timo Chrupalla für sein Benehmen zu entschuldigen. Oder ob er findet, dies sei ein legitimer Beitrag zur Verteidigung unserer Demokratie. AfD- Menschen seien schließlich Feinde und nicht Gegner. Das Resultat solchen Verhaltens, schreibt Lau, ist Wut bei der AfD, die die Reihen in dieser eigentlich disparaten Partei geschlossen hält.
Heils Verhalten ist nur ein Beispiel für eine Brandmauer-Mentalität, die im persönlichen Umgang auf Arroganz setzt. Ist es nicht möglich, sich politisch zur AfD abzugrenzen, aber sich dabei aber im persönlichen Umgang anständig und fair zu verhalten, ganz so, wie man selber behandeln werden möchte? Das wäre meiner Meinung nach nicht nur ethisch geboten, sondern auch taktisch klug.
Mit herzlichen Grüßen
Henning von Vieregge
345/Februar 2026
Guten Tag,
Unter Demokratiegesichtspunkten kann es nicht nur eine Brandmauer geben, sondern die Demokratie mit ihrem Konzept einer offenen Gesellschaft ist nach allen Seiten zu schützen. Brandmauern sollten den Kernbestand der Demokratie bewahren. Sie sind nicht zu verwechseln mit roten Linien.
Die Verfassungsväter und – Mütter des Grundgesetzes wollten, dass die offene Gesellschaft sich nicht wehrlos ihren Feinden ausliefern muss. Jenseits der Grenzen der offenen Demokratie beginnt die Wehrhaftigkeit. Nicht nur der Nationalsozialismus, sondern auch der Stalinismus nach dem Kriege in den Nachbarländern der Sowjetunion und zuletzt Putin im Umgang mit dem Erbe von Gorbatschow und Jelzin liefern Beispiele eines solchen Vorgehens: erst formal einigermaßen korrekt, dann nach Eroberung der Schaltstellen nur noch machtbezogen und das zarte Pflänzchen Demokratie systematisch zertrampelnd.
Eine zu enge Definition von Demokratiefeinden steht andererseits im Gegensatz zum Konzept einer offenen Gesellschaft. Schlimmstenfalls wird Demokratie unter dem Vorwand beschädigt, sie zu schützen. Die Macht der Demokratiefeinde wird auf diesem Wege unfreiwillig erhöht. Die Diskussionen und Proteste um die Notstandsgesetze und um den Radikalenerlass bewegten sich genau auf dieser Gradwanderungnzwischen behaupteter Notwendigkeit von Wehrhaftigkeit und Demontage der Offenheit.
Nun liegt es nicht außerhalb jeder Fantasie, dass die Parteien das Argument der Demokratiefeindlichkeit ins Feld führen, wenn es um ihr Eigeninteresse geht. Das erschwert die Bewertung jeder definierten und praktizierten Brandmauer. Was ist Parteien -Interesse, was ist Demokratie-Schutz?
Es wäre wünschenswert, wenn bei einer Diskussion um Brandmauern der Blick über Parteiinteressen hinausginge und wenn ins Bewusstsein käme, dass es nicht nur um die Brandmauer nach einer Seite geht. Insofern ist der Vorschlag des Mainzer Historikers Andreas Rödder und seiner Mitstreiter bedenkenswert, von roten Linien statt von Brandmauern zu sprechen (https://denkfabrik-r21.de/brandmauer-durch-rote-linien-ersetzen/)
Rechter, linker und islamistischer Terror gefährden unsere Demokratie.Der Staat braucht seine Bürger, um diese Gefahren abzuwehren, mindestens einzudämmen.Gleichzeitig schützt uns eine Diskussion um die Grenzzziehung der Brandmauern und, davon abgesetzt, um die roten Linien der Parteien vor Ausgrenzung zum Schaden einer pluralen Gesellschaft.
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge
344/ Januar 2026
Guten Tag, den Leserinnen und Lesern dieser Zeilen meine Hochachtung, Im Gegenzug kann ich nur alle umlaufenden guten Wünsche für 2026 einsammeln und an Sie adressieren.
In der Lokalzeitung Mainzer Allgemeine erschien fast an meinem Geburtstag ein Beitrag über mich, der schon länger auf Halde gewesen war, was mich sechs Wochen zu morgendlich angespanntem Durchblättern des Lokalteils bewegte.Kommt er heute? Nein, wieder nicht. Vielleicht morgen?
Der Beitrag ist fair und gut geschrieben, danke an Eric Scherer, und somit lesenswert. Beim Foto im Garten hatte ich vergessen, meine Bücher mitzunehmen und vor die Brust zu halten. Aber vielleicht kam mir das auch ein bisschen zu viel des Guten vor.
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge
2025-12-30_Allgemeine_Zeitung_Mainz___Rheinhessen__Boomer__unter_die_Lupe_genommen
343/ Dezember 2025
Guten Tag, ich habe vor einigen Wochen einen Text zu den Schülerstreiks gegen Wehrpflicht geschrieben. Der war auch als Leserbrief gedacht.
In diesen Tagen sind die Schüler in den Ferien.
Damit ist Ruhe im Karton.
Damit scheint der Text erledigt.
Aber in wenigen Wochen geht der Krieg in der Ukraine ins vierte Jahr.
Und die Fragebögen zur Erfassung Freiwilliger zum Bundeswehrdienst werden ab Januar verschickt.
Dann könnte die Debatte in die zweite Runde gehen.
Und, falls das Wetter mitmacht, könnten die Streiks wieder aufflackern.
Deswegen grundsätzlicher: Die Regierung will 2026 zum Jahr der großen Reformen machen. Da wäre doch der Ausbau der jetzigen Beschlusslage ein schönes Beispiel. Einfach mal Mut haben und machen. Es gibt noch sehr viel mehr Themen. Aber da sind die Landtagswahlen, schon am 8. März in Baden-Württemberg, am 22. März in Rheinland-Pfalz und dann am 6. September in Sachsen-Anhalt, am 20. September in Berlin und Mecklenburg – Vorpommern, also fünfmal Aufregung und Ablenkung. Tagesgeschehen schlägt strukturelle Veränderungen. Und da sind die Blendraketen aus Washington oder Moskau oder Peking noch gar nicht einbezogen. (Hoffentlich bleiben es Blendraketen)
Ich schlage vor, und dieser Vorschlag ist weiß Gott nicht originell, einfach mal bei der eigenen Reformagenda zu bleiben. Stück für Stück erledigen.
Mit herzlichen Grüßen
Henning von Vieregge
Schülerstreiks gegen freiwilligen Dienst in der Bundeswehr
Die Bundeswehr soll wachsen. Dazu sollen Jugendliche gemustert werden, alle Männer, Frauen freiwillig. Offenbar soll auf diesem Weg die Bereitschaft, anschließend freiwillig einige Zeit (7-23 Monate) Soldat zu sein, geweckt werden. Der Wehrsold soll kräftig angehoben werden (2600 € brutto). Ob beides reicht, um den angesteuerten Aufwuchs zu erreichen, ist zweifelhaft.
Also wogegen richten sich die angekündigten Streiks der Schüler eigentlich? Ist die Mehrheit der Schüler wirklich der Meinung, unsere Demokratie, also alles, was unser Leben lebenswert macht, sollte im Zweifelsfall aufgegeben werden?
Russlands Krieg gegen die Ukraine hat uns gezeigt, dass die Aussetzung der Wehrpflicht bei gleichzeitiger Abschaffung des Zivildienstes ein Fehler war. Die jetzt beschlossenen Maßnahmen zur Stärkung der Bundeswehr sind merkwürdig halbherzig. Ebenso wäre eine Wiedereinführung der Wehrpflicht, der die neue Regelung den Weg bahnt, meines Erachtens unzureichend. Demokratie verteidigt man auch zivil. Richtig wäre deswegen die Einführung eines Gemeinschaftsjahres, eines Friedensdienstes mit und ohne Waffen. Würden sich Schülerstreiks auch gegen ein solches Pflichtjahr für alle wenden?