Meine nächsten Termine

  • 23.09.2020: Gesunde Kids Kongress Frankfurt Palmengarten (R. Link)
  • 23.09.2020: D 1820 Talk 6 Heimatprojekte
  • 24.09.2020: RC Gießen-Altes Schloß
  • 24.09.2020: RAC Hersfeld Clubbesuch
  • 26.09.2020: Frankfurt, Fraport, Rotary Beirat

Das Urlaubsewige und das Besondere am Beispiel von Langeoog und noch mehr Epistula von Reto

05 Sep
5. September 2020

Blog 240/ 5. September 2020
Guten Tag,

gerade schaue ich mir gegen Ende eines kurzen aber schönen Urlaubs die Fotos an. Es gibt drei Gruppen von Urlaubsfotos.
Die vermutlich größte Gruppe sind Motive, ob nun See oder Berge, die mit Erfindung der Fotografie aktuell waren und es auch nach uns bleiben werden, so lange Menschen auf der Erde leben und urlauben: Sonnenuntergänge und Pflanzen z.B.Wir sind jedes Mal überwältigt von der Schönheit und reagieren mit dem Wunsch, das Motiv irgendwie festzuhalten. Wer keine Kamera oder kein Smartphone dabei hat, äußert sein heftiges Bedauern. Nur wenige entziehen sich bewusst diesem Reflex und pochen darauf, das urlaubsewig Schöne im persönlichen Bildgedächtnis zu speichern.

Und dann gibt es Motive, die für einen gewissen Zeitraum gelten. „Guck mal, damals war das Peterle aus dem Sand nicht herauszubekommen“ oder „Mein Gott, war unser Hund damals noch fit.“ Und dann beginnt die Diskussion, ob dies im Jahr X oder Y war, jedenfalls bei der Urlaubsgruppe, deren Vergnügen darin besteht, den gleichen Ort im Jahresabstand zu bereisen.

Das dritte Motivcluster ist jahresaktuell. Es ist, lässt man Familien- und Freundesabbildungen außen vor, die kleinste Gruppe, hier vertreten mit einem Warnschild, das eine holländische Expertengruppe aufgestellt hat, die aufwändig Sand an eine Stelle der Insel schafft, um weiteren Küstenabbruch zu verhindern. Warum bei der Warnschildherstellung niemand, der die deutschen Sprache beherrscht, gegengelesen hat, ist rätselhaft. Im nächsten Jahr sind di Aktion und das Schild Geschichte.

Apropos jahresaktuell: Der Schweizer Reto F. produziert aktuell seine Textsammlungen in einem ruhigen, aber stetig sprudelndem Fluß, so dass ich das Vergnügen habe, weitere Reos hier platzieren zu können.
Epistula 17

Epistula 16

Epistula 15

Epistula 19
Epistula 18

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

Lothar Leonhard, „Arbeit geht durch Arbeit weg“

22 Aug
22. August 2020

Blog 239 /August 2020

Guten Tag,
Lothar Leonhard ist gestorben. Er, langjähriger Chairman von Ogilvy, war Präsident vom Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA von 1996 bis 2002 und von 2011 bis 2013. Die ersten sechs Jahre seiner Dienstzeit war ich Geschäftsführer.
Auf Bitte eines Mediums der Branche habe ich einige persönliche Bemerkungen aufgeschrieben.
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

Als Agenturchef kannte ich Lothar Leonhard nur von den Besuchen in der Agentur. Das schöne Ogilvyrot, gemütliche Ledersessel, der weite Blick von Sachsenhausen auf Frankfurt Mitte zu: ich war gerne dort. Eine Aufforderung zur Plauderei über Wetter und Familie kam nicht. So redeten wir über Verbandsthemen nach vorbereiteter Agenda. Am Ende brachte mich der Agenturchef nicht lediglich zum Aufzug, sondern er fuhr mit mir herunter und verabschiedete mich an der Eingangstür. Diese Höflichkeit wurde mir zum Vorbild. Ein Satz von Leonard, nein eigentlich zwei, begleiten mein Leben. Der eine heißt: „Arbeit geht durch Arbeit weg.“ Ein scheinbar banaler Satz, aber so viel Wahrheit über diesen Mann, der sich vom Lehrling zum Chef hochgearbeitet hat und der es schaffte, über so viele Jahre seinen Sessel zu verteidigen. Gegen oben und gegen unten. Der bei Konflikten lieber telefonierte als schrieb. Der fragte, aber deine Meinung nicht kommentierte. Man wusste bei ihm nicht, was er verwenden würde und was nicht. Sein Understatement war sein Schutzpanzer. Gewann er einen Effie oder einen Etat, sagte er Sätze wie „Was man gewinnt, geht auch verloren.“ Verlor er, zeigte er keine Regung.
Unsere Beziehung war am Schluss zerrüttet. Ich habe nie erfahren, warum eigentlich. Eines Tages kam er in das Büro, da war er kein Präsident mehr und noch nicht wieder, und eröffnete mir, meine Zeit beim GWA sei vorbei, dafür werde er nun sorgen. Ich war enttäuscht, verblüfft und beeindruckt. Zu manchen früheren Vorständen hat sich hernach eine freundliche Beziehung, die immer mal wieder aktivierbar ist, entwickelt, zu Leonhard nicht. Seine Mischung aus Höflichkeit und Distanz ließ dies offenbar nicht zu.
Der zweite lebensbegleitende Satz lautet: „Penetrieren ja, penetrant nein.“ Darin steckte sein Erfolgsrezept, seine Präsenz in der Agentur, im Verband und in der Branche. Er tat gern, als sei seine Anwesenheit eher Zufall. Die Leichtigkeit, die Lothar Leonhard ausstrahlte, war gespielt und kostete ihn Kraft, davon bin ich überzeugt. Vielleicht am emotionalsten habe ich ihn erlebt, als er von einem Düsseldorfer Inhaber einer renommierten Agentur erzählte, den er beobachtet habe, wie der auf offener Straße einen Kunden beschimpft habe, weil dieser partout nicht so wollte, wie jener es sich vorstellte.“ Beneidenswert, das würde ich auch gerne mal tun“, schloss Leonard seine Geschichte. Nach meinem Wissen ist er immer höflich geblieben.

Lebensmodelle ab 65 – Anregungen aus Gesprächen

27 Jul
27. Juli 2020

238/Juli 2020

Guten Tag, ich habe ein gutes Buch gelesen und möchte das gern vorstellen.
Mit herzlichen Grüßen
Henning von Vieregge

Flyer Buch 65+

Neulich las ich eine Todesanzeige, die sinngemäß so ging: „Heute wäre die XY 100 geworden. Ihre Verwandtschaft hat sie vor zwei Jahren in ein Seniorenheim gebracht, dort ist sie vor einem Jahr gestorben.“ Es war so eine verkappte Todesanzeige, in Wirklichkeit ein Protest gegen die Behandlung einer älteren Dame durch ihre Verwandtschaft. Der Vorwurf: 0hne Verbringung in ein Seniorenheim wäre sie 100 geworden.
Auch diese etwas skurrile Geschichte zeigt, dass wir uns daran gewöhnt haben, nicht mehr mit 65 zu sterben. Die Autoren Ernst Bechinie und Judith Barbara Shoukier erinnern in ihrem Buch daran, dass noch im Jahr 1900 die durchschnittliche Lebenserwartung unter 50 Jahren lag. Und so war es über Jahrhunderte gewesen. Es war keineswegs respektlos, dem Philosophen Immanuel Kant, wie es ein Gratulationsredner tat, zum 50. Geburtstag mit „ehrwürdiger Greis“ zu titulieren. Die große Wende kam wesentlich durch medizinischen Fortschritt im Übergang ins 20.Jahrhundert, die Folgen setzten nach und nach ein.
Die Altersforschung hat sich inzwischen angewöhnt, von einer dritten Lebensphase zu sprechen, die sich zwischen Berufstätigkeit und Hochalterigkeit geschoben hat. Der Begriff „Ruhestand“ ist demnach in der bisherigen Form ein Auslaufmodell, er wandert entweder im Leben an den Rand oder verschwindet ganz. Aber was soll an die Stelle treten? Das traditionelle Altersbild ist wesentlich verlustgeprägt und trifft die Wirklichkeit somit nur noch begrenzt. Im Überschwang werden Muntermacher als Bücher, Tassen und T-Shirts geboten, in denen das eigentliche Lebensglück denjenigen, die in diese Phase eintreten, quasi automatisch bevorsteht. Die Werbung zeigt heitere, aktive jung-ältere Paare, die sich mit vollständigen Zahnreihen scheinbar ewig anlächeln: die neuen Kreuzfahrer sind da. Nicht nur in Pandemiezeiten gruselt einen vor so viel Oberfläche.
Was für eine Freude, in einer solchen Situation ein wirklich schön gemachtes Buch mit Geschichten von Menschen über 65 lesen zu können. Pasqualina Perrig-Ciello, schweizerische Altersforscherin, schreibt in ihrem Vorwort Read more →

Ich bin der Governor 3Z, Materialien in eigener Sache

25 Jul
25. Juli 2020

Blog 237/Juli 2020

Guten Tag,
mal in eigener Sache, die mich in diesen Wochen – und das wird bis Ende Juni so bleiben- ziemlich ausfüllt: das Ehrenamt eines Rotary-Governors, in diesem Fall im Distrikt 1820, der Hessen minus Starkenburg umfasst, 75 Clubs mit fast 4000 Mitgliedern.

Anbei der erste Governorbrief, eine begonnene Talk-Reihe online und ein Interview mit Erklärung der Headline und der Frage, was das Foto mit den beiden Gasttöchtern hier zu suchen hat:

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge
P.S. Ich füge das große Interview mit Weltpräsident Holger Knaack an, das ich für die Zeitschrift Verbändereport geführt habe.
2020 Verbändereport Knaack Interview

Heimat und Epistula -Briefwechsel mit einem Schweizer

12 Jul
12. Juli 2020

Beitrag 236/Juli 2020

Guten Tag, mein Schweizer rotarischer Freund Reto Fritz schreibt weiter seine Epistula und ich antworte mit einem Brief, in dem ich ihm durchbuchstabiere, was Rotary und Heimat zusammenbringt.

Lieber Reto
Du hast mich gefragt, ob ich ein Motto für mein rotarisches Governor-Jahr habe. Ich erzählte Dir, dass mein Leitwort „Offene Heimat Rotary“ heißt. Die Ratlosigkeit in Deinem Gesicht war unübersehbar. Da es keine Zeit zu Erklärungen gab, habe ich dir angeboten, Dir einen Brief nach Zürich mit Erläuterungen zu schreiben.
Wie anfangen? Ich beginne mit Rotary. Wir sprechen uns bei Rotary, wie Du ja weißt, mit “Freund xy“ unter Weglassung aller Titel an. Dahinter steckt ein ziemlich breiter Begriff von Freundschaft, fast so breit wie bei Facebook. In Deutschland gibt es 56.000, in der Schweiz 14.000 und weltweit 1,5 Mio Mitglieder. Allgemein gilt: Was früher „Bekannte“ waren, wird heute unter die Rubrik „Freunde“ gestellt; Freunde oder solche, die es werden können, „Verdachts-Freunde“ könnte man sie nennen. Sie werden behandelt als ob… Darüber kann man lästern, geschieht ja auch nicht selten. Aber bei näherem Nachdenken entdeckt man den Wert einer solchen Regel: Uns Rotarier (immer auch weiblich zu denken) soll Freundschaft verbinden. Wir sollen uns freundschaftlich zueinander verhalten; zivile Umgangsformen wären das Mindeste. Diese Verabredung schafft innerhalb der Clubs ein Klima, in dem man sich besonders wohl fühlt. Ja, Rotary wird so zur Heimat, gewiss nicht als wichtigste Quelle von Heimat, aber doch für viele als eine Quelle mit besonderer Heilwirkung. Jedenfalls für diejenigen Rotarier, die sich einigermaßen regelmäßig bei den unterschiedlichen Anlässen in Beziehung zueinander begeben, dabei von sich preisgeben und sich in freundschaftlicher Duldsamkeit Generationsunterschieden und anderen Meinungen aussetzen. Die ganze rotarische Community steht dem einzelnen Rotarier als eine weltweit agierende Freundschaftsbewegung offen und nicht wenige Mitglieder machen davon Gebrauch, beispielsweise bei Auslandsreisen oder übernationalen rotarischen Zusammenkünften wie zuletzt bei der Welt-Convention in Hamburg, wo fast 30.000 Rotarier zusammen kamen. Nicht zu vergessen der Jugendaustausch, der größte dieser Art durch eine zivilgesellschaftliche nicht profitorientierte Organisation, oder durch die breit gefächerte Stipendiatenförderung. Und: Dadurch, dass Aktionen und Aktivitäten in die Gesellschaft getragen werden, schafft Rotary auch nach außen Heimat, besonders im lokalen Umfeld.
Wer sich engagiert, liefert nicht nur Zeit und Geld und Know How. Das Entscheidende ist, dass Hilfe Wertschätzung erzeugt. Oder besser: erzeugen kann. Und zwar auf beiden Seiten, auf Seiten des Helfers und dessen, dem geholfen wird. Der Helfer ändert durch sein Tun seine Perspektive, er sieht nun die Welt nicht wie gewohnt und das heißt Read more →

Gestern lebensgefährlich, heute eher harmlos? Die Pandemie-Gefahr bleibt, deren Einschätzung ändert sich.

18 Jun
18. Juni 2020

Beitrag 235/Juni 2020
Guten Tag,
nun ist alles normal als sei nichts gewesen?
– Ist denn der Impfstoff da?
– Kann man nun leichter herausbekommen, wer mit Covid 19 schon durch ist ohne es zu wissen?
– Ist man sich sicher, dass die neue App Infektionsketten schneller und effizienter verfolgen lässt?
Alle drei Fragen sind mit „Nein“ zu beantworten.

Das was sich im öffentlichen Diskurs ändert, ist die Einschätzung der Gefahrenlage.
Soziale Verwahrlosung, Übersterblichkeit nicht an sondern wegen Corona (Angst der Menschen vor Ansteckung), Arbeitsplatzverluste, Pleiten: Man kann nun ins Gespräch bringen was vor wenigen Wochen noch tabuisiert war.
Damals lautete das alles überwölbende Entrüstungsargument “ Für dich ist der Profit wohl wichtiger als die Gesundheit“.

Jetzt lautet das Konsensargument: „Alles richtig gemacht zu seiner Zeit. Jetzt gilt es umzusteuern.“
Was verblüfft ist der Gleichklang in den Medien, auch beim Umschwenken.

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

P.S.
Mein Schweizer Freund Reto epistelt weiter. Sehr zum Vergnügen seiner Leser.
Epistula 10EPISTULA 9 in tempore CoronaeEPISTULA 8 in tempore Coronae

© Copyright - Henning von Vieregge