Engagiert leben, Heimat schaffen

02 Aug
2. August 2017

Blog 156/August 2017

Guten Tag, den Beitrag unten kann man nur verstehen, wer den Link anschaut; aber ein bisschen Lockung ist vielleicht hilfreich.
Denn es geht doch um mein Seminar am Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) an der JGU Mainz. Es beginnt am 13.November 2017 und findet in der Regel wöchentlich bis 5.Februar 2018 jeweils Montag von 16.15 bis 18 Uhr statt. Seminarnummer 20170 356
Mehr dazu

http://www.zww.uni-mainz.de/Dateien/50plus_ws_2017_18_www.pdf (S.38 von 59)
https://msagd.rlp.de/de/unsere-themen/demografie/demografiewoche-2017/veranstaltungen-im-ueberblick/detail/news/detail/News/engagiert-leben-eine-handfeste-anstiftung/

Und nun zur ergänzenden Notiz
„Engagiert Leben-Eine handfeste Anstiftung
Zwischen der Einreichung eines Textes für ein Seminar und der Durchführung liegen einige Monate. Da kann viel passieren.
Neulich traf ich in einer Veranstaltung zum Thema Altwerden eine Frau, die bei der Frage des Moderators nach ihren Zukunftsplänen sagte „Ich möchte mich verschenken“. Da habe ich mir gedacht, das wäre auch ein schöner Seminartitel gewesen. Und dann noch ein Impuls: Im Frankfurter Architekturmuseum läuft zur Zeit eine Ausstellung „Making Heimat“. Der Titel zeigt, Heimat ist nicht einfach da. Sie entsteht. Fortwährend. Jeder Mensch, der sich , wo auch immer, für das Gemeinwohl einsetzt, gestaltet Heimat positiver. Er oder sie beheimatet damit sich und Andere. So würde ich den Seminartitel jetzt so formulieren: „Ich möchte mich verschenken“ Engagiert leben, Heimat schaffen“. Ich freue mich nun noch mehr auf das Seminar und lade zur Teilnahme herzlich ein.

Mit besten Grüßen
Henning von Vieregge

C.C. Schweitzer als Nachruf, Michael Hüther Gespräch

22 Jul
22. Juli 2017

Blog 155/ Juli 2017

Guten Tag,

die meisten Hochalterigen, wenn sie denn die 90 überschritten haben, sind ihres Alters nicht länger schamig, sondern verweisen im Gegenteil darauf, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Ihr Alter dient ihnen dann nicht selten als Hinweis darauf, dass sie alles richtig wissen und falls nicht, dass dies mit dem Alter zu entschuldigen sei. CC Schweitzer war auch so einer. Wach und zupackend bis zum Schluss der von ihm mitgegründeten Aktion Gemeinsinn fügte er seinen Argumenten neben dem Altershinweis auch noch gern an, was alle eigentlich wussten: Er war lange, eigentlich immer wieder mit Unterbrechungen durch Andere, Vorsitzender der Aktion Gemeinsinn und dann Ehrenpräsident. Nun ist er gestorben und seine Freunde und Bewunderer haben ihm eine Todesanzeige hinterhergeschickt. Als letzten Salut für einen nimmermüden Patrioten. Übrigens Sozialdemokrat.

Todesanzeige CC Schweitzer

Wenn ein herausragender Repräsentant der Wirtschaft, zumal ein Ökonom, positiv und präzise über den Wert der Zivilgesellschaft spricht, so ist dies immer noch eine Ausnahme. Das Gleiche gilt übrigens für die weitaus meisten Politiker. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln, tut es, auch wenn er im Interview mit mir für den Verbändereport über die Rolle von Verbänden und ihren Managern nachdenkt.

Ein lesenswerter Text.
Interview Hüther

Mit sommerlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

Flüchtlingshilfe und sorgende Gemeinschaft: Reformation von unten?

04 Jul
4. Juli 2017

Blog 154/ Juli 2017

Guten Tag,

ich möchte Interessenten auf zwei Beiträge von mir aufmerksam machen. Der eine Text ist die längere Version des anderen. Der längere Text heisst „Vertrauensbildung und Beheimatung, Flüchtlingshilfe als Chance für Kirchengemeinden“ und ist erschienen in: Deutsches Pfarrerblatt, Heft 5/2017, S. 252-256. DerText ist im Web.

Der kürzere Text hat die Überschrift „Flüchtlingshilfe und sorgende Gemeinschaft: Reformation von unten?“ und ist nachzulesen im eNewsletter Wegweiser Bürgergesellschaft 05/2017 vom 17.05.2017.

Meine Kernthese lautet: Flüchtlingshilfe verändert wie jede Hilfe in der Nachbarschaft, die aus einer Kirchengemeinde heraus geschieht, eine Kirchengemeinde nur dann, wenn sie es will.Dazu benötigt sie eine Vision, die das Rausgehen als zentrale Ausrichtung definiert. „Das Quartier ist der Kirchraum“. Praktische Nächstenliebe ist Mission und die Kirchengemeinde will wachsen um Engagierte und denen, denen geholfen wird. „Empowerment“ hilft Menschen, die abgehängt sind oder sich abgehängt fühlen, um in der Mitte der Gesellschaft zu bleiben. Auch Kirche braucht Empowerment-Strukturen, damit das christliche Glaubensangebot nicht aus den Optionen für ein gutes Leben bei immer mehr Menschen verschwindet.

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge
P.S. die Photos sind in einer orthodoxen Kirche in Siebenbürgen aufgenommen.

Drei Freugeschichten: Warum ich gern bin, wo ich bin

19 Jun
19. Juni 2017

Blog 153/Juni 2017

Guten Tag,

„Geschichte trennt, Geschichten verbinden“. Dieser Satz des Deutschrumänen und Siebenbürger Sachsen Eginald Schlattner trifft zweifellos auf die bewegte Geschichte Siebenbürgens mit seinen Ungarn, Deutschen, Rumänen, Juden und Roma zu. Ersetzt man „Geschichte“ durch „Ideologie“ oder „Angst“,so bleibt der Satz immer noch richtig; in jedem Fall verbinden Geschichten.

Ohne Absicht verunsichert (Mombacher Schwimmbadgeschichte 1)

Im Schwimmbad sagte ich zu der Frau an der Kasse wie jeden Morgen laut und deutlich „Guten Tag“. Sie sah mich an. Wollen Sie sich meiner Dauerkarte versichern?, fragte ich leicht irritiert. Denn normalerweise reicht der Gruß, um durchgewunken zu werden. Sie nickt.
– Gern, aber…
Sie sind doch der Mann mit dem Buch
– Ja, der bin ich
Sie haben meine Kolleginnen erschreckt
– Oh Gott, wie das?
Sie haben geschrieben, dass Sie ihre Dauer- Karte nur ein bisschen zeigen und das reiche
– Ja und?
Die Kolleginnen waren ganz verunsichert. Sie haben daraufhin wochenlang jeden Ausweis gründlich angeschaut
– Ach herrje. Ich meinte das doch positiv. Mich hat die Reaktion der Kolleginnen gefreut. Dass sie mich erkannt haben, dass sie mich kennen.
Das hat der Chef auch gesagt.

Ich eile nach Hause und schaue nach, was ich geschrieben habe: „An der Kasse des Schwimmbads sitzt eine von fünf Kassiererinnen, die sich innerhalb eines Monats abwechseln. Jede von Ihnen kennt mich, weiß von meiner Halbjahreskarte; ich muss Sie nicht vorzeigen. Das ist ein Genuss der eigenen Art. Ich bin hier jetzt bekannt. Aber ich deute durch halbes öffnen der Geldbörse an, dass ich die Dauerkarte jederzeit vorzeigen könnte. “ (aus:Startschuß mit 60)
Es fehlt in der Tat der Satz: „Sie kennen also ihre Dauerkunden und das gefällt mir.“ Ich schicke diesen Satz mit einer Entschuldigung an die Damen. Manchmal ist es gar nicht einfach, so zu loben dass kein Zweifel aufkommt.

Sprayer willkommen an der Schwimmbad Mauer

Die Eingangsmauer zum Mombacher Schwimmbad in Mainz ist seit langem durch Graffiti verunziert. Besonders Fans von Mainz 05 fanden es offenbar wichtig, ihre Sympathien durch einen riesigen Schriftzug, mit dem sie sich als Ultras outeten, zu verewigen. Die Ewigkeit geht möglicherweise schneller zu Ende als es sich die Sprayamateure vorgestellt haben. Denn seit heute machen ihnen zwei brasilianische Graffiti Künstler den Platz an der Betonmauer streitig. Sie haben ihre Dosen aufgestellt und Zeichnungen von sich ausgestellt. (Foto) Es gibt aufmunternde Musik dazu, und sie sind am Werk.(Foto) Man kann schon einen riesigen blauen Fisch mit gelben Augen und gelben Zähnen und rotem Mund bewundern, von dem man nicht weiß, ob er im nächsten Moment lacht oder beißt.(Foto) Ein Landsmann, der als Schwimmmeister arbeitet, hat die beiden Künstler bei einem Festival in Wiesbaden letzte Woche entdeckt und angeheuert. Eine wunderbare Idee, die funktioniert, weil im vom Mainzer Schwimmverein 1901 geführten Bad der Dienstweg super kurz ist und die Innovationsbereitschaft hoch. Was für eine schöne Idee.
Hier, liebe Ultras, seht Ihr, was eine schöne zielgruppengerechte Zeichnung an der Stelle ist, wo ihr euren Glaubenssatz angebracht habt, mit Sicherheit zum Schaden des Familienvereins Mainz 05.

Ein Trollo und sein Trolley oder Wie zwei Polizisten mein Gepäck bewachten

Für mich jedenfalls war es neu, ein Gepäckstück von mir in öffentlicher Bewachung zweier gut gerüsteter Polizisten, einer links vom Trolley einer rechts vom Trolley zu sehen. Und das kam so: Nach einer langen Bahnreise saß sich etwas erschöpft und doch gefesselt von einer spannenden Buchlektüre auf der Wartebank der Straßenbahn nach Gonsenheim, den Trolley seitwärts abgestellt, den Rucksack auf den Knien. Als ich hochschaute, stand da meine Straßenbahn. Wie lange war sie schon da? Würde sie gleich losfahren? Ich sprang auf, nahm meinen Rucksack und sprang rein. Beim Aussteigen erst kam mir mein Missgeschick ins Bewusstsein: Wo war mein Trolley ? Ich rannte nachhause und rief meiner sich freundlich nähernden Frau zu: Es ist etwas passiert. Um Gottes willen was denn? Ich erklärte es ihr, schnappte mir den Autoschlüssel und bat sie, die Polizei anzurufen. Auf dem Weg zum Bahnhof standen alle Ampeln auf Rot. Meine Frau meldete sich. Die Polizei wolle sich drum kümmern. Damit war sichergestellt, dass mein Gepäckstück nicht zwischenzeitlich von den Staatsorganen in die Luft gesprengt würde. Der nächste Anruf von ihr bestätigte meine geheime Befürchtung: Die Polizei habe den Koffer nicht finden können.
Ich begann, im Geiste eine Liste der verloren gegangenen Gegenstände aufzusetzen, sortiert nach ihrer materiellen und ideellen Wertigkeit.Das sollte mich aber nicht davon abhalten, die leere Stelle neben der WEartebank mit eigenen Azugen zu inspizieren. Ich parkte hinter dem Bahnhof, rannte durch das Gebäude und lief auf die Wartebank zu. Was ich sah, kam einer Fata Morgana gleich. Mein silberner Trolley glänzte in der Sonne und siehe oben. Sind sie das?, fragten die beiden Polizisten, hatten aber keinen Zweifel. Ich machte offenbar einen hinreichend trotteligen Eindruck. Ich bedanke mich, lobte die beiden im speziellen und die Polizei im allgemeinen und dies aus vollem Herzen. Gerne hätte ich Ihnen noch zehn Euro gegeben oder 20, aber ich habe mich nicht getraut, denn unsere Polizei funktioniert doch ohne Bakschisch. Der Satz mit der Kaffeekasse fiel mir in meiner Freude leider nicht ein.

Ich nehme gern an dieser Stelle weitere positive Geschichte auf. Denn sollten wir nicht wenigstens hin und wieder die Freude an dem, was einfach gut klappt und unser Leben bereichert, teilen?

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

Nachtrag: Die brasilianischen Profisprayer haben sich verewigt. Mit Recht.

Was Nachbarschaft kann

05 Jun
5. Juni 2017

Blog 152/Juni 2017

Guten Tag,
Heimat wärmt und orientiert. Manchmal zu viel, manchmal zu wenig. Ein Thema, über das es sich lohnt, näher nachzudenken. In Johannesburg gab es im Museum Africa eine Sonderausstellung zu den Townships. Dort fand ich das untenstehende Bild: Heimat, die wärmt.

Der kluge Trevor Noah, der in einem südafrikanischen Township aufwuchs, macht in seinem Buch „Born a Crime“ auf die Doppelgesichtigkeit geschützter Räume aufmerksam: „The hood has a wonderful sense of community
The hood was strangely comforting, but comfort can be dangerous…..The hood has a gravitational pull. It never leaves you behind, but it also never lets you leave.“ Ob es Stadtteile in Deutschland gibt, auf die diese Beschreibung zutrifft?
Den meisten ist es zu kalt und anonym. Was Nachbarschaft leisten kann, ist hier nachlesbar: Rotary Magazin Nr. 6/2017
https://rotary.de/gesellschaft/was-kann-nachbarschaft-a-10815.html
2017-Rotary-Nachbarschaft
Darin auch Vortsellung von nebenan.de
Dies geschah auch im Lokalen in Mainz.

Die Nachbarschaft durch das Internet genauer kennenlernen

Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

Der Pfarrer, der Affe und der Ehrenamtler

23 Mai
23. Mai 2017

Blog 150/Mai 2017

Guten Tag,

Der Pfarrer im Kreis seiner Lieben: ein Lutheridyll

Das Bild aus einem Eislebener Museum zeigt ein Lutheridyll: Der Reformator musiziert im Kreis seiner Lieben. Der Arbeitswüterich, so suggeriert die Szene, konnte auch Entspannung. Heute klagen Pfarrerinnen und Pfarrer nicht selten über Überlastung. Selber Schuld? Ich plädiere für einen neuen Mix von Ehren- und Hauptamt auch in den Kirchengemeinden. Dazu mehr im Hessischen Pfarrblatt April 2017, im Netz zu lesen und runterzuladen. Titel: Von der Anstalt zum Akteur/ Kirchengemeinde mit noch mehr Engagement/Der Pfarrer, der Affe und der Ehrenamtler S.29ff

Das untere Foto, bei einer Wanderung durch Thüringen aufgenommen, zeigt symbolisch: Die Kirche ist nicht mehr ohne Konkurrenz. Sie ist umstellt von Modernität. Darauf muss sie eine Antwort finden, die ihr nicht gleich den Vorwurf, dem Zeitgeist hinterher zu laufen, einträgt. Jede Kirchengemeinde sollte sich, dazu liefere ich Argumente, auf ihren Weg machen, denn lokale und regionale Bezüg und eigene TRadition erfordern unterschiedliche Antworten..Ich würde mich freuen, zu diesem Beitrag Zustimmung und Ablehnung zu erfahren. Dazu gibt es auf dieser Seite die Möglichkeit, aber auch mit einer Mail an mich.

Kirche ohne Alleinstellungsmerkmal

Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

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