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Guten Tag,
in diesem Beitrag 65/2014 geht es um die Serviceorganisation Rotary und deren soziale Projekte.
In einen Meinungsbeitrag, der im Rotary Magazin 3/2014 unter der Überschrift „Mit Kopf, Hand und Geld“, Viele Rotary-Projekte sollten anspruchsvoller geplant werden“ zu lesen war, bin ich mit der Behauptung, es gäbe bei Rotary drei Trends, eingestiegen.:
„Mitunter ist die Praxis weiter als deren Wahrnehmung. Hier soll von drei Trends berichtet werden, die sich wechselseitig stärken. Es soll dafür plädiert werden, diese zu intensivieren.
Trend 1: Auch Projekte im Inland werden anspruchsvoller.
Trend 2: Clubübergreifende Aktivitäten nehmen zu.
Trend 3: Rotary versteht sich als Teil der (lokalen) Bürgergesellschaft.“
Im Beitrag werden diese Behauptungen fundamentiert und die Forderung nach deren Verstärkung unterstrichen. Beobachtung und Forderung können auch auf andere Organisationen übertragen werden, mal mehr, mal weniger.
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge
Guten Tag
dies ist der 64. Beitrag in dieser Serie (Mai 2014) , ein Interview, das ich mit Tobias Kemnitzer, dem Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen bagfah in Berlin geführt habe. Es ist erschienen im Verbändereport 3/2014
Ich wünsche Lesegewinn
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge
Guten Tag,
„Während der Recherche für einen Artikel kommt der Journalistin Lena Vogel ihr eigenes Leben in die Quere“. Das ist ein Satz, der auf das Genre verweist. Stefanie Viereck hat einen Kriminalroman geschrieben, jedenfalls dann, wenn man dem Klappentext folgt. Denn schließlich sind Krimis en vogue, in Buch – oder in Filmform. Das Titelbild zeigt in Schwarz-Weiß einen Weg, an deren Horizont dürre Bäume stehen. Hauptorte sind die Gaststätte Leuchtkäfer, eine Pension unmittelbar am Nord Ostsee Kanal, und das Haus eines Unternehmers, der pleite geht, in Hamburg: „ Das weitläufige Haus am Elbhang im Westen von Hamburg, in dem ich aufgewachsen war, stammte aus den dreißig Jahren“. Da saßen Hausmädchen rauchend um den blauen Resopaltisch. Ein überdachtes Schwimmbad, das nie fertig wird, spielt eine Rolle. Ein Herr Schmidt, Klempner, wusste bei Rohrbrüchen, wie sie in der Villa üblich waren, was zu tun ist. „Er irrte sich nie. Dieser Umstand zählte zu den wenigen Gewissheiten meiner Kindheit und gab mir noch jetzt einen Moment lang das Gefühl, dass die Welt überschaubar sei und alle Dinge darin ihren festen Platz hatten.“ Das sind Sätze, die eine spannende Geschichte um einen verratenen Spielkameraden besonders machen, die Geschichte einer jungen Frau, die sich auch im Alter nicht ändern wird in ihrer Lebensunsicherheit und ihrer Sehnsucht nach jemandem, der anders ist. Damals Oliver, heute Lars, der Fotograf, „tollkühn, versponnen und vogelfrei“. Lena Vogel, die Ich-Erzählerin, ist anders („als wäre ich noch am Anfang, hätte das eigentliche Leben noch vor mir“), sucht ausdauernd und sich nicht schonend die Wahrheit und die Präzision.“ Zum ersten Mal, seit ich da war, flackerte etwas in ihrem Blick, eine Art Entsetzen. Das Wort war unzureichend, aber ich wusste kein anderes.“ Das ist es, was diese Geschichte, Krimi hin oder her, so besonders macht und die Lena Vogel so sympathisch.
Mit besten Grüßen
Brief 62/ April 2014
Guten Tag,
am Donnerstag, 24. April, 18.15 startet die Vorlesungsreihe an der Universität Mainz, Muschel N 3. Die Schlussveranstaltung ist genau drei Monate später am 24. Juli. Dazwischen liegen acht Vorträge.
Durch Bildung zum „wahren Selbst“? Alter, Engagement, Lernen: Berichte aus Theorie und Praxis
Alle Vorträge dieser Reihe finden im Hörsaal N3 (Muschel) statt.
Dr. Oliver Bruttel (Institut für Demoskopie, Allensbach)
Wie ältere Menschen leben, denken und sich engagieren: Ergebnisse der Alters- und Engagement-Forschung auf Grundlage der Generali Altersstudie 2013
Donnerstag, 24. April, 18:15 Uhr
Dr. Christian Mulia (JGU Mainz, Theologische Fakultät)
Bildung und Engagement älterer Menschen im kirchlichen Raum – Herausforderungen und Chancen
Donnerstag, 15. Mai, 18:15 Uhr
Dr. Marcus Kreikebaum (EBS Oestrich-Winkel/Wiesbaden)
Lernen durch Engagement: Service Learning als Bildung zum ‚wahren Selbst‘?
Donnerstag, 22. Mai, 18:15 Uhr
Prof. Dr. Adalbert Evers (Universität Giessen)
Neue Beziehungen von Arbeit und Engagement im Lebensverlauf
Donnerstag, 12. Juni, 18:15 Uhr
Silvia Dabo-Cruz (U 3 L, Frankfurt)
Alt und Jung studieren gemeinsam – der Beitrag der Hochschulen zum intergenerationellen Lernen.
Donnerstag, 26. Juni, 18:15 Uhr
Prof. Dr. Elisabeth Bubolz-Lutz (Universität Duisburg-Essen, Forschungsinstitut Geragogik, Witten)
Bildung Älterer im Kontext von bürgerschaftlichem Engagement
Donnerstag, 3. Juli, 18:15 Uhr
Prof. Dr. Gisela Jakob (Hochschule Darmstadt)
Die Rolle bürgerschaftlichen Engagements für neue Generationenbeziehungen
Donnerstag, 10. Juli, 18:15 Uhr
Prof. Dr. Andreas Kruse (Universität Heidelberg)
Was man über das Altern wissen sollte: Die Selbst- und Weltgestaltung der Älteren
Donnerstag, 17. Juli, 18:15 Uhr
Abschlussdiskussion:
Durch Bildung zum „wahren Selbst“? Perspektiven der universitären Weiterbildung und Engagementförderung
Dr. Beate Hörr (Leiterin ZWW, JGU Mainz)
Bernhard Nacke (Ehrenamtsbeauftragter Rheinland-Pfalz „‘Ich bin dabei‘ – Initiative der Ministerpräsidentin zur Förderung des Engagements Älterer“)
Christoph Zeckra (Leiter Generali Zukunftsfonds Köln “Personalpolitik und Weiterbildung in Zeiten demografischen Wandels“)
Diskussionsleitung: Birger Hartnuß (Leitstelle Ehrenamt und Bürgerbeteiligung)
Dr. Henning von Vieregge (Lehrbeauftragter am ZWW, Werkstatt „Universität und Zivilgesellschaft“)
Donnerstag, 24. Juli, 18:15 Uhr
Anlage: Der Folder zur Vorlesunghttp://www.zww.uni-mainz.de/Dateien/Alter_Engagement_Lernen.pdf
Eine Veröffentlichung der Vorträge ist geplant. Bitte geben Sie die Information an Interessenten im Rhein-Main-Gebiet weiter.
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge
Brief 61/ April 2014
Guten Tag,
es gibt immer wieder die Empfehlung an Organisationen, sich als oder doch mindestens wie eine Marke zu positionieren. Eine beliebte , weil Aha-Effekte beim Publikum hervorrufende, Aufgabe lautet: Wenn Ihre Organisation ein Mensch wäre, welches Auto führe er (oder sie? Da fängt das Desaster bei den Verbänden ja schon an), welche Zeitung liest er, wie ist seine Wohnung eingerichtet, welche Musik hört er, was hält er vom Stichwort „Digitale Demenz“?
Verbände werden so ganz hurtig als seriös-langweilige, ängstliche Organisationen ohne Pep und Format beschrieben. Die Mitarbeiter, die Mitglieder, die Stakeholder: die Unterschiede in der kritischen (Selbst)-Beschreibung sind minimal. Entsprechend gelten Kritiker solcher pauschalen Verbandsschelte, die merkwürdigerweise sich nicht auf die der Wirtschaft nicht verbundenen Nichtregierungsorganisationen von Amnesty bis Kindernothilfe erstreckt, als positivistische Langweiler. Wer seinem Verband in den Senkel stellt, muss sich als Mitglied hingegen über die Konsequenzen seines Tuns klar werden: Er oder sie hat sich soeben als Kandidat für den Vorstand geoutet.
Man muss Verbände nicht lieben. Personen sind zu lieben, nicht Institutionen. Verbände sind immer gefährdet, von ihren hauptamtlichen Mitarbeitern ausgenutzt zu werden, die ihre ureigenen Interessen mitunter dreist zum Interesse der Institution erklären. Gerade wirtschaftlich nicht angebundene Interessenorganisationen sind hier besonders gefährdet, wie die aufgeputzten Stiftungshäuser in feinsten Stadtlagen belegen. (Oder ist dies eine Satzungsaufgabe?) Anders (zumeist) in Verbänden: Hier regieren die Mitglieder und passen auf. Es gibt also auch berechtigte, ja dringend notwendige Verbandskritik. Austrittsdrohung und Austritt bleiben wuchtige Keulen der Korrektur bei Fehllauf. Organisationen wie die Kammern mit ihrer Pflichtmitgliedschaft haben an dieser Stelle ein schmerzhaftes Legitimationsproblem.
Man kann die Kritik an Verbänden auf einige Grundmuster konzentrieren. Und sich dann ans Antworten machen. Ich habe dies im VerbändeReport Jan./2014 in Briefform an einen Kritiker getan.
Sie können sich den Brief hier runterladen.
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge
Brief 60/2014 vom März 2014
Guten Tag
Rainer Schäfer sammelte seit 28 Jahre weitgehend unbemerkt Müll in eigene Säcke und auf eigenen Fährten. Vor einigen Monaten wurden die Medien auf ihn aufmerksam. Er hatte sein Revier nach Mainz ausgedehnt und ZDF, SWR und auch die Mainzer Allgemeine hatten es bemerkt. Aus Rainer Schäfer wurde der Abfall-Robin-Hood.
Ich hatte in meinen Briefen 54,56 und 57 berichtet, wie die der Mainzer Entsorgungsbetrieb auf den zunächst anonymen Sammler reagiert hatte („Eigentlich unerlaubt, macht uns Mehrarbeit“). Als Schäfer mittlerweile als Person in der AZ und anderswo vorgestellt, bei seiner zweiten Runde in Mainz monierte, von ihm gemeldeter Sondermüll sei immer noch nicht weggeschafft, musste mit dem Mann aus Kröv an der Mosel was passieren.
Nahegelegen hätte, der Oberbürgermeister, die Abfalldezernentin oder der Leiter des Entsorgungsbetriebs hätten sich ein persönliches Bild von dem ungewöhnlichen Mann gemacht. Das passierte nicht. Stattdessen wurde dem Hartz Vierer schriftlich eine Bewerbungsaufforderung zugeschickt. Am 17.2. fand sich dann ein Vierspalter mit Foto und Kommentar in der Mainzer Rhein Main Presse. Überschrift: „Abfall-Robin-Hood“ lehnt Job ab. In dem Beitrag wurde der Leiter des Mainzer Entsorgungsbetriebs zitiert: „Wir haben ihm einen Job als Straßenreiniger offeriert. Damit kann man auskommen und Herr Schäfer hätte etwas Festes“. Man habe seine Aktionen begrüßt und könne tüchtige Menschen wie ihn brauchen. Im Kommentar unter der Überschrift „Kein Happy End“ wird dann der entscheidende Schlag geführt: „Er lehnt die Chance ab, seiner offensichtlichen Passion in offizieller , vor allem bezahlter Mission nachgehen zu können; das macht ihn unglaubwürdig und schürt leider auch genau die Vorurteile, mit denen sich Hartz IV-Empfänger laut Arbeitsagentur oft konfrontiert sehen-nämlich zu wählerisch und nicht arbeitswillig zu sein.“
Was hier passiert ist, ist die hohe Schule eines PR-Manövers: Entweder der Mann lässt sich einstellen und fegt täglich von 6 bis 14.30 Uhr, was ihm aufgetragen wird. Dann hat er nichts zu melden, jedenfalls nicht öffentlich. Seine Wirkung, die auch bei den Mainzern spürbar groß ist, die sich fragen „Wieso findet der Mann so viel Müll in unseren Grünanlagen?“, wäre einkassiert. Oder er lehnt ab, dann kann man ihn in der zitierten Weise vorführen: Er hat sich unglaubwürdig gemacht. Ein Manöver also, das in jedem Fall zum Sieg der Verwaltung über den eigensinnigen Mann aus Kröv führt. Ein Lehrstück einer Diffamierung.
Dazu muss man noch wissen: Schäfer hatte lediglich die Aufforderung erhalten , seine Unterlagen einzureichen (welche im einzelnen , erfuhr er aus dem besagten Presseartikel) . Zum Zeitpunkt des Erscheinens des Zeitungsbeitrags (und bis heute nicht) hat man ihm ein schriftliches Angebot über Arbeitszeit, Arbeitslohn und sonstige Bedingungen vorgelegt. Eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch gab es nicht. Das alles zeigt, mit welchen Tricks gearbeitet wurde um des Erfolgs willen: den Robin Hood des Abfalls wahlweise an die Kette zu legen oder an den Schandpfahl zu binden.
Schäfer sammelte übrigens einige Tage nach dem Erscheinen des Zeitungsartikels mal wieder für zwei Tage in Mainz zwischen Lerchenberg und Bruchwegstadion. Ergebnis 5500 Liter Müll. Ein Bürger, berichtet Schäfer, habe sich gewundert, dass er um sieben Uhr morgens am Bruchwegstadion unterwegs war. Er habe gedacht, Hartz Vierer könnten so früh nicht aufstehen. Die Mainzer Presse berichtete dieses Mal nicht. Sie hatte ihren Teil ja schon geleistet.
Was kann man aus dem Vorgang lernen? Bürgerengagement mit Eigensinn hat es schwer.
Die Vorstellung, dass nach gründlichem Kennenlernen die Stadtverwaltung beschlossen hätte, den Schäfer machen zu lassen, wie er es für richtig hält, wann und wo und im Kontakt mit den Bürgern und ihm für sein Tun eine kleine Gage zu zahlen , kurzum diesem Lebenskünstler seine Kunst zu lassen, rosa Säcke am grünen Straßenrand , adrett und mit freundlichem Gruß an die Bürger aufgereiht, kommt den Verantwortlichen nicht in den Sinn. Es übersteigt ihre Phantasie.
Bürgerengagement hat nach den Gesetzen der Verwaltung zu funktionieren, dann gibt es am offiziellen Müllsammeltag sogar ein warmes Mittagessen.
Man könnte mit diesem Querkopf aus Kröv außerordentlich erfolgreich für nachbarschaftliches Müllsammeln und gegen Umweltverschandelung werben. Jugendliche zumal werden durch solchen Eigensinn besser erreicht als durch die üblichen Appelle. Der (zunächst) unbekannte Mann, der durch die Wälder und Grünanlagen streift und zu ungewöhnlichen Zeiten und ungewöhnlichen Orten Müll sammelt, erregt enorme Aufmerksamkeit, wie man im Netz nachverfolgen konnte, als er unlängst in einem anderen Distrikt unterwegs war. „Wer ist das? Was macht der da? Warum macht der das? Für mich ist das ein Alltagsheld“ lauten die Kommentare. (Einfach mal Rainer Schäfer, Deutsche Edelsteinstraße googeln)
Von einer „Einmischung in die eigenen Angelegenheiten“ sprach der Schweitzer Schriftsteller Max Frisch. Genau darum geht es. Auch in Mainz wird es weiterhin genug Bürger geben , die sich freuen, wenn der Robin Hood des Abfalls immer mal wieder auftaucht. Hupkonzerte, Worte der Anerkennung, Brötchen und Becher mit Kaffee als kleiner Dank der kleinen Bürger werden ihn begleiten.
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge
Das war Weihnachten. Die Mainzer hat’s gefreut. (wenn auch nicht alle). Hoffentlich gibt es rosa Müll zu Ostern.
dpa Video: http://www.