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Aktion Gemeinsinn schließt die Pforten

12 März
12. März 2015

86/März 2015

Aktion Gemeinsinn VR

 

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Guten Tag, die Aktion Gemeinsinn stellt ihre Tätigkeit ein. Schlusspunkte sind eine Veranstaltung in Bonn am 30. April und die Herausgabe eines Abschiedsbuchs mit den Kampagnen zur Förderung des Gemeinsinns aus über 50 Jahren. Vorausgegangen war eine intensive Diskussion unter Hinzuziehung externer Experten über die Chancen einer Kommunikation per Pro-Bono-Anzeigen durch eine voll ehrenamtlich arbeitende, notorisch unterfinanzierte NGO . Die Hauptgründe dafür, nicht mehr weiterzumachen, stehen in einem Beitrag von mir -ich bin einer von zwei Vorsitzenden- , der im aktuellen Verbändereport sowie dann später im Abschiedsbuch erscheint.

Siehe auch:

Aktion Gemeinsinn: Themendossier zum Ende einer Initiative

Mit Beiträgen von Dr. Henning von Vieregge, Ulrich Schmid, Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast und Prof. Dr. Carl-Christoph Schweitzer

in:Wegweiser Bürgergesellschaft (E-Letter) 1/2015

http://www.buergergesellschaft.de/fileadmin/pdf/gastbeitraege_aktiongemeinsinn_150128.pdf

Mit besten Grüßen

Henning v. Vieregge

Von Südafrika lernen

25 Feb.
25. Februar 2015

83/ Febr. 2015

Guten Tag,

aus Südafrika zurück, möchte ich gern fünf Bemerkungen machen.  Zur politischen und ökonomischen Situation gibt es fundierte Beiträge andernorts, z.B. Neue Züricher Zeitung vom 28.2./1.3. S.1  David Signer „Eine Bankrotterklärung Afrikas: Der eigentliche Skandal hinter dem Flüchtlingsstrom von Lampedua ist nicht die ‚Abschottung Europas, sondern die Gleichgültigkeit der afrikanischen Regierungen gegenüber dem Exodus“

Hier geht es um Übertragungsempfehlungen einiger in Südafrika gemachter Beobachtungen:

 Stoppschilder mit Flexi

In Südafrika gibt es mehr Stoppschilder als bei uns. Wenn wir an den Stoppschilden standen und warteten, bis die anderen Autos endlich gefahren waren, merkten wir eine gewisse Ungeduld hinter uns und seitwärts. Uns aber reichte der Linksverkehr zur Verunsicherung. Bis uns dann doch jemand aufklärte. Ob wir die Zahlen unter den Stoppschildern sähen?  Kreuzungen mit solchen Stoppschildern funktionierten so, dass immer der Nächstkommende fahren kann. Eine „4“ bedeutet, es gibt vier potentiell Beteiligte, eine „3“ weist auf ein Wege-T mit drei Beteiligten hin. Diese Regelung ist flexibler als Ampelschaltung. Unsere Empfehlung: Nachmachen.

Einkaufen, Tanken mit mehr Personal

Neulich stand eine südafrikanische Freundin in Mainz an der Kasse von REWE und beobachtete entspannt, wie die Waren vom Förderband an der Kasse vorbei sich am Ende stauten. Sie wartete darauf, dass die Waren eingepackt würden. „Da kannst du bei uns lange warten“, war unsere Reaktion. Als wir jetzt in Südafrika in den Supermärkten waren, half man uns, die Waren einzupacken. Und wenn es mal keine Hilfskräfte gab, unterband die Kassiererin unsere Einpackbemühungen mit dem Hinweis, dies sei ihre Sache. So stehe es in ihrer Arbeitsbeschreibung. Unter arbeitsmedizinischem Gesichtspunkt ist ein derartiger Kundenservice sicher sinnvoll. Bei uns arbeiten Kassiererinnen unter enormen Druck bei wenigen unterschiedlichen Handbewegungen. Hilfseinpacker kennt man auch aus den USA. In den Niederlanden werden Arbeitslose, zunächst wohl nur in Modellversuchen, dafür genommen. Sie bleiben damit im Arbeitstraining und erfahren Wertschätzung. Ähnliches gilt an Tankstellen („mit und ohne Service“) und an vielen Orten mehr. Dass dabei eigentlich keiner der zumeist freundlichen Helferinnen und Helfer frei von Trinkgelderwartungen sind, ist natürlich falsch. Die meisten, auch jene, die unerbeten Parkplätze vergeben (die ohnehin da sind), sind auf Trinkgeld angewiesen. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 25 Prozent, bei Jugendlichen doppelt so hoch. In Wirklichkeit ist sie viel höher. So betrachtet ist die Trinkgeldabgabe ein kleiner Einkommensausgleich und allemal beliebter, als beraubt zu werden. Beide Abgabeformen ändern nichts an der enormen Ungleichverteilung von Einkommens-und Lebenschancen, die entgegen verbreiteter politischer Rhetorik der Regierenden nicht mehr haargenau entlang der Farbgrenzen verläuft. Sie selbst sind der beste Gegenbeweis. An dieser Stelle können wir von Südafrika nur lernen, Politik und Leistung eindeutig zusammen zu halten. Wenn Aufstieg nur über Beziehungen und Zugehörigkeiten funktioniert, ist das Ergebnis eine ungerechte Gesellschaft.

Freundlichkeit

Kein Dialog beginnt ohne die Frage „How are you?“ Wie geht es Ihnen? Danke. Und Ihnen? Ob Polizisten, Parkwächter, Kassiererin im Supermarkt, Lehrerin: immer erst der höfliche Einstieg. Wir Deutschen sind stolz auf unsere Direktheit. Wir halten das für einen Ausdruck von Effizienz. Manchmal aber ist der Umweg die Abkürzung, gerade in Sachen Höflichkeit und Freundlichkeit.

Schuluniformen

Die Pro und Contra Argumente zum Tragen von Schuluniformen ist in Deutschland sind bekannt. Uns leuchten die Pro-Argumente mehr ein. Vielleicht könnte man  hierzulande mehr Ausnahmen von der Uniformität der Nichtuniformität wagen: Schüler, Eltern, Lehrer, Schulleitungen.

Unser Herkommen

Unser aller Wiege steht in Afrika. Wichtige Funde wurden in Südafrika gemacht. Cradle of Humankind ist bestens zu besichtigen in Höhlen und einem speziellen Museum nicht weit von Johannesburg, erstaunlich wenig besucht. Scheuen wir das Wissen um die langen Linien? Es macht uns demütig und öffnet uns Horizonte über unser Leben hinaus: in beide Richtungen. Bemerkenswert die Schlussfrage an der Ausgangstür des Museums. Ich lese, dass in Deutschland im letzten Wahlkampf mehr über die PKW-Maut als über den demografischen Wandel diskutiert wurde. Dabei ist selbst der nur eine Kleinigkeit der Weltgeschichte. Afrika lehrt uns das.

Enkel & Landschaft

Die Empfehlung, die südafrikanischen Landschaften einschließlich den weiten Himmel am Tag und den prangenden Sternenhimmel in der Nacht,  nach Deutschland zu verpflanzen (mindestens als Ergänzung), ist so einleuchtend wie undurchführbar. Gleiches gilt für die in Südafrika lebenden  Kinder und Enkel. In beiden Fällen gilt: Bald wieder hin und so intensiv wie möglich erleben.

 

Mit herzlichen Grüßen

Henning v. Vieregge

Kommunaler Klüngel

02 Feb.
2. Februar 2015

Beitrag  82/ Februar 2015

Guten Tag,

und wieder ein Gastbeitrag: Von meinem Freund aus Bonner Politologenzeit, Ulrich von Alemann, Professor an der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf. Er gießt Wasser in den Wein mit dem Etikett „Hauptsache vernetzt“. Gilt die Putnamsche Feststellung vom Wert des Sozialkapitals grenzenlos, wonach Kommunikation Vertrauen schafft und Vertrauen gesellschaftliche Stabilität?  Wer aus einer Fasnachts- resp. Karnevalsstadt kommt, wie der große Soziologe Erwin Scheuch aus Köln, der mag mit ihm fragen, ob es nicht doch einen gewichtigen Unterschied zwischen Vernetzung und Klüngel gibt und damit eine demokratisch notwendige Unterscheidung zwischen schädlichem und nützlichem  Sozialkapital-Wachstum. Auch hier ist qualitatives Wachstum besser: Wachstum, das geeignet ist, Klüngelwirtschaft aufzubrechen.

Über Fachkreise hinaus erlangte Scheuch Bekanntheit durch die Themen, die ihn seit den späten 1980er Jahren beschäftigten: Parteienfilz, Ämterpatronageund politische Korruption; besonders am „kölsche Klüngel“ untersuchte er dessen Auswirkung auf das Parteiensystem. Scheuch veröffentlichte dazu, zusammen mit seiner Frau, zahlreiche Bücher, unter anderem die populär gehaltenen Titel: „Cliquen, Klüngel und Karrieren“ und „Bürokraten in Chefetagen“ (Quelle: Wikipedia)

Hier in Mainz spricht man von „Handkäs-Maffia“, die die Stadt regiere.

Lesen Sie, was Ulrich v. Alemann zu diesem Themenkomplex meint.

Das Tor, Düsseldorfer Jonges_2_2015_81. Jahrgang_S.15 (1)

 

Mit besten Grüßen

Henning v. Vieregge

Leserbrief als Gastbeitrag: Pegida und die Medien

21 Jan.
21. Januar 2015

81/ Januar 2015

Guten Tag,

da es gerade (Beitrag 79,80) um  das Thema „Leserbrief“ geht: Können Leserbriefe besser sein als die Kommentare der Meinungsprofis? Ich schlage vor, die Antwort am Leserbrief des Wormser Bürgers Ludger Sauerborn zu suchen. Der nachfolgende Text erschien in der AZ vom vergangenen Samstag auf der Leserbriefseite: 

 

Leserbrief zum Artikel „Wer ist das Volk?“ am 07.01.15

Gestern habe ich in einem Bericht Ihrer Zeitung über die Köpfe der Pegidabewegung zum x-ten mal gelesen, dass Lutz Bachman wegen Diebstahls und Drogendelikten vorbestraft ist. Über die einzige Frau im zwölfköpfigen Organisationsteam von Pegida erfahre ich  wörtlich: „Laut Medienberichten ist die Blondine 36 Jahre alt…“.

Man stelle sich einmal vor Ihre Redakteure hätten nach der Wahl von Simone Peter zur Parteivorsitzenden der Grünen geschrieben: „Die Blondine ist 47 Jahre alt.“ Es hätte einen Sturm der Entrüstung gegeben.

Wenn aber die Pegidabewegung diffamiert werden soll, scheint jedes auch noch so unseriöse journalistische Mittel erlaubt. Da werden Ressentiments aus der untersten Schublade schenkelklopfender Stammtische beim Leser zu wecken versucht.

Wäre es nicht Aufgabe einer seriösen Zeitung statt eine Bewegung wie Pegida mit allen Mitteln zu diffamieren, über die Bewegung objektiv zu informieren und sich den Leser selbst ein Urteil bilden zu lassen!

Dazu gehört meiner Meinung nach die 19 Thesen der Pegida den Lesern zugänglich zu machen. Dann kann sich jeder mündige Leser Ihrer Zeitung selbst fragen: Was halte ich davon für richtig? Was für falsch? Ist irgend was rechtsradikal oder gar verfassungswidrig? Oder bin ich gar mit allem  was da gefordert wird einverstanden? Und schließlich kann sich der Leser eine eigene begründete Meinung bilden. Mir scheint, genau da vor haben aber viele Politiker und Medienvertreter Angst.

 Und falls ein Leser jetzt gerne reflexhaft eine der stets griffbereiten Diffamierungskeulen gegen mich schwingen möchte: Ich bin weder eine ungebildete „Dumpfbacke“ noch ein „Nazi im Nadelstreifen“, noch „ausländerfeindlich“, noch ein „abstiegsbedrohter Globalisierungsverlierer“. Ich bin Gründungsmitglied der Grünen und seit über 35 Jahren in verschiedenen Funktionen für diese kommunalpolitisch aktiv. Und ich lebe sehr glücklich mit meiner chinesischen Frau und vier Kindern in einer multikulturellen Patchworkfamilie. 

 

 

 

Leserbrief willkommen? BDZV nennt gelungene Beispiele

14 Jan.
14. Januar 2015

Brief 80/Januar 2014

Guten Tag,

die Diskussion um (Nicht-) Kommunikation mit Leserbriefschreibern kann fortgesetzt werden. Der Bundesverband der Zeitungsverleger BDZV, Berlin, nennt Beispiele aus seiner Sicht gelungener Kommunikation zwischen Redaktion und Leser. Hier der Brief:

Wir haben zu dem – spannenden – Thema leider keine quantifizierbaren Erkenntnisse. Mindestens zehn Zeitungen beschäftigen einen Ombudsmann/eine Ombudsfrau, die sich auch um Anfragen der Leser kümmern und Themen aufgreifen. Wohl am bekanntesten dabei ist Anton Sahlender, der dies Amt seit vielen Jahren für die Main-Post in Würzburg ausübt, mittlerweile aus dem Ruhestand heraus.

Die großen Titel haben, soweit die Anmerkungen online und zentral eingehen, zumindest eine automatisierte Antwort und beschäftigen eine eigene Leserbriefredaktion. Angesichts der Masse der eingehenden Briefe und Mails kann ich mir jedoch nicht vorstellen, dass wirklich jeder Absender eine Antwort erhält, zumal die Schreiber  zum Teil sehr fordernd sind….(folgt ein Beispiel, das aber nicht veröffentlicht werden soll)

 Leserbriefe  (und Kommentare, soweit sie nicht von Trollen stammen) sind unbedingt ein Mittel der Leser-/oder heute besser Publikumsbindung. Obendrein können sie auch zur Themenfindung beitragen. Aber auch hier enden die Möglichkeiten  jenseits der mechanischen Eingangsbestätigung bei der Zahl der geschulten Mitarbeiter, die  für die Bearbeitung und Beantwortung eingesetzt werden können. Wenn es ganz gut läuft, sind Leserbriefe Sache der Chefredaktion.

Es tut mir leid, dass wir Ihnen nicht mit klareren Zahlen dienen können. Sicherlich gibt es auch in den medienwissenschaftlichen Studiengängen die eine oder andere Bachelor- oder Masterarbeit zu diesem Thema.

Mit freundlichen Grüßen

Anja Pasquay

Der Leserbrief : Chance oder Belästigung?

09 Jan.
9. Januar 2015

Beitrag 79/ Januar 2015

Guten Tag,

ich hatte auf einen Bericht vom 11.11. 14 einen Leserbrief an die Mainzer Allgemeine Zeitung geschickt und, nachdem ich wochenlang weder Bestätigung noch Abdruck sah, nachgehakt. Darauf schrieb mir der zuständige Journalist nach eigener Einschätzung „etwas patzig“ zurück. Diese Mail lud mich zu einigen grundsätzlichen Gedanken zum Beziehungsverhältnis Journalist-Leserbriefschreiber förmlich ein.

Wie, fragte ich mich, kann man das äußerst gedämpfte Interesse  einer Lokalzeitung an Leserbriefen erklären? Warum verhalten sich Zeitungen in einer Situation, in der sie durch verändertes Medienverhalten ihrer bisherigen und vor allem potentiellen Leser ernsthaft gefährdet sind, dermaßen distanziert und desinteressiert ? Warum nutzen sie nicht die Chance zu besserer Leserbindung? Oder ist das nachfolgend vorgestellte Beispiel nicht examplarisch für Printerzeugnisse, speziell Lokalzeitungen?

 In dem Leserbrief ging es übrigens um einen Vorstoß der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei Papst Franziskus, wonach er die deutschen Bischöfe dazu bringen soll, zur Familienzusammenführung syrischer Christen einen Fonds zu gründen. Da ich mich in der Frage der Familienzusammenführung dieser Gruppe durch den Mainzer Fall Rothe/Baho einigermaßen auskenne, weiß ich, wie schwer sich Ämter mit der entsprechenden Vorschrift tun und habe in dem Leserbrief folglich angeregt, dass die Landespolitikerin sich statt Symbolpolitik zu betreiben sich um die Aufgaben kümmern möge, die in ihrem unmittelbaren Verantwortungsbereich liegen. Mehr  dazu Blog Nr. 77   und Familie-Baho.de

Nachtrag 12.1.: Mein Tübinger Freund Max Steinacher hat mir seine Sammlung von Zeitungsreaktionen auf Leserbriefe zur öffentlichen Dokumentation überlassen. Sie zeigen, wie andere Zeitungen, regionale und überregionale, bei Leserzuschriften verfahren. Im Pressekodex des Presserates findet sich übrigens keine Benimm-Regel von Zeitungsredaktionen gegenüber Lesern bei Nichtberücksichtigung. Im Netz, auch im wikipedia-Beitrag über Leserbriefe, wird das Augenmerk auf Bedeutung und Form des Leserbriefes gelegt.

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Anlage 1

  1. Dezember 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, ich hatte Ihnen einen Leserbrief „Malu Dreyer beim Papst“ geschickt. Das ist ca. vier Wochen her. Finden Sie es richtig, noch nicht einmal den Eingang eines Leserbriefs zu bestätigen und wenigsten so zu tun, als interessiere Sie die Meinung Ihrer Leser? Mich beschäftigt – ich war Geschäftsführer des Verbandes der Werbe- und Kommunikationsagenturen GWA- die Krise von Print, insbesondere der Lokalzeitungen. Mit diesem Verhalten vergrößern Sie die Krise. Ich habe den Beitrag mittlerweile auf meine Homepage gestellt www.vonvieregge.de  Das ändert aber nichts an meiner Nachfrage.

 

Mit besten Grüßen

Henning v. Vieregge

 

 

Anlage 2

  1. Dezember 2014

 

Sehr geehrter Herr von Vieregge,

 

trotz bevorstehender Weihnachtsfeiertage muss ich Ihnen eine etwas patzige Antwort geben: Angesichts der zahlreichen Leserbriefe, die allwöchentlich bei uns eingehen, hätte ich wahrlich viel zu tun, wenn ich jedem Schreiber den Eingang seines Leserbriefes bestätigte. Tut mir leid: Das ist nicht zu machen. Und eine Absage mit Begründung erst recht nicht.

 

Nichts für ungut, bitte. Frohe Festtage

Jens Frederiksen

 

 

 

Jens Frederiksen
Ressortleiter Feuilleton
Allgemeine Zeitung Erich-Dombrowski-Str. 2
55127 Mainz

Formularbeginn

Frederiksen, Jens

Formularende

 

Anlage 3

  1. Dezember 2014

Lieber Herr Frederiksen,

 

danke für Ihre Mail, die ich weniger patzig als vielmehr erhellend finde.

 

Sie sind überlastet, sagen Sie. Offenbar ist es eine Nebenaufgabe des Feuilletonverantwortlichen, Leserbriefe durchzulesen und zu entscheiden, welche gedruckt werden. Da haben Sie, schreiben Sie, keine Zeit zu einer formalen Rückmeldung, geschweige denn einer inhaltlichen. Sie versuchen gar nicht erst den Eindruck zu erwecken, als ob die Anregungen, die per Leserbrief eingehen, die Redaktion interessieren könnten. Ob diese Zeitung gut beraten ist, sich nicht mit der notwendigen Manpower für die Kommunikation mit ihren Lesern auszustatten, bezweifele ich, zumal sich gute Gegenbeispiele auch in Lokalzeitungen finden lassen: Da kommt grundsätzlich jeder Leserbrief ins Netz, Leserbriefen wird viel Raum im Blatt gegeben und die Redaktion lädt sich Kritiker ein, die ihr den Spiegel vorhalten. Offenbar nicht so in Mainz.

 

Meinen Sie,  Lokalzeitungen sind in der Situation, sich Einbahnkommunikation  weiterhin straflos leisten zu können? Das Monopol, das vielerorts im Pressewesen herrscht, auch in Mainz, besteht ja nur bei denen, die Zeitung lesen. Aber die Menschen haben zunehmend andere Möglichkeiten, sich zu informieren und zu partizipieren. Vor allem Jüngere gehen ins Netz, weil sie zu wenig Nutzen in Print sehen. Die Auflagenverluste kann man getrost dramatisch nennen. Es gibt einige gute Ideen, mit denen die AZ versucht, den Trend in seiner Wucht zu mindern. Kruschel gehört dazu.

 

Nutzen und Bindung, darüber wird diskutiert, nicht nur bei den Printmedien. Bindung geschieht über Aufmerksamkeit, die Relevanz und  Reputation schafft. Nicht nur die Printmedien müssen im Wettbewerb um Aufmerksamkeit bestehen. Pfarrer müssen bei ihren Pflichtaufgaben, Kasualien genannt, besonders aufmerksam und einfallsreich sein, Unternehmen bei Beschwerden von Kunden, Staatsverwaltung bei Anliegen von Bürgern. Und allen passt das nicht selten keineswegs in den Alltagskram und wird als Chance nicht genutzt. Genau wie bei Ihnen die Leserbriefe, eigentlich ideale Steilvorlagen, um beim Nutzer zu punkten.

 

Warum geschieht das Gegenteil, nämlich die Verärgerung des Leserbriefautors? Tun sich möglicherweise Journalisten in ihrer Selbstwahrnehmung als professionelle Kommunikatoren besonders schwer, echte, d.h. Zwei-Wege-Kommunikation zu praktizieren? Leserbriefschreiber sind  unter diesem Blickwinkel notorische Störenfriede, die die Mühen der Profis nicht honorieren wollen. Deswegen muss man sie sich vom Leib halten. Sie sind wie undankbare Kunden, freche Bürger oder Christen, die am unpassenden Tag versterben.

 

Sie, lieber Herr Frederiksen, haben den Fehler gemacht, auf meinen etwas fordernden Ton in der Beschwerdemail hereingefallen zu sein und entgegen Ihrer Auffassung und jenseits Ihrer Ressourcen doch geschrieben zu haben , was Ihnen – das war ja vorhersehbar- nun einen Folgebrief eingebrockt hat. Eine schöne Bescherung!

 

Mit besten Grüßen und guten Wünschen für 2015

 

Henning v. Vieregge

 

 

Anlage 4

  1. Januar 2015

 

Antwort Redaktion AZ an mich  steht aus.

Ich hatte bis 8.1. um Antwort gebeten, andernfalls würde ich den Vorgang auf meine Homepage und damit zur öffentlichen Diskussion stellen

© Copyright - Henning von Vieregge