Meine nächsten Termine
- 31.05.2026: Schloss Bieberstein, Sachsen: Lesung
- 10.06.2026: Auferstehungsgemeinde Mainz „Die Glücksverwöhnten“ Lesung
86/März 2015
gastbeitraege_aktiongemeinsinn_150128
Guten Tag, die Aktion Gemeinsinn stellt ihre Tätigkeit ein. Schlusspunkte sind eine Veranstaltung in Bonn am 30. April und die Herausgabe eines Abschiedsbuchs mit den Kampagnen zur Förderung des Gemeinsinns aus über 50 Jahren. Vorausgegangen war eine intensive Diskussion unter Hinzuziehung externer Experten über die Chancen einer Kommunikation per Pro-Bono-Anzeigen durch eine voll ehrenamtlich arbeitende, notorisch unterfinanzierte NGO . Die Hauptgründe dafür, nicht mehr weiterzumachen, stehen in einem Beitrag von mir -ich bin einer von zwei Vorsitzenden- , der im aktuellen Verbändereport sowie dann später im Abschiedsbuch erscheint.
Siehe auch:
Aktion Gemeinsinn: Themendossier zum Ende einer Initiative
Mit Beiträgen von Dr. Henning von Vieregge, Ulrich Schmid, Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast und Prof. Dr. Carl-Christoph Schweitzer
in:Wegweiser Bürgergesellschaft (E-Letter) 1/2015
http://www.buergergesellschaft.de/fileadmin/pdf/gastbeitraege_aktiongemeinsinn_150128.pdf
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge
Beitrag 82/ Februar 2015
Guten Tag,
und wieder ein Gastbeitrag: Von meinem Freund aus Bonner Politologenzeit, Ulrich von Alemann, Professor an der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf. Er gießt Wasser in den Wein mit dem Etikett „Hauptsache vernetzt“. Gilt die Putnamsche Feststellung vom Wert des Sozialkapitals grenzenlos, wonach Kommunikation Vertrauen schafft und Vertrauen gesellschaftliche Stabilität? Wer aus einer Fasnachts- resp. Karnevalsstadt kommt, wie der große Soziologe Erwin Scheuch aus Köln, der mag mit ihm fragen, ob es nicht doch einen gewichtigen Unterschied zwischen Vernetzung und Klüngel gibt und damit eine demokratisch notwendige Unterscheidung zwischen schädlichem und nützlichem Sozialkapital-Wachstum. Auch hier ist qualitatives Wachstum besser: Wachstum, das geeignet ist, Klüngelwirtschaft aufzubrechen.
Über Fachkreise hinaus erlangte Scheuch Bekanntheit durch die Themen, die ihn seit den späten 1980er Jahren beschäftigten: Parteienfilz, Ämterpatronageund politische Korruption; besonders am „kölsche Klüngel“ untersuchte er dessen Auswirkung auf das Parteiensystem. Scheuch veröffentlichte dazu, zusammen mit seiner Frau, zahlreiche Bücher, unter anderem die populär gehaltenen Titel: „Cliquen, Klüngel und Karrieren“ und „Bürokraten in Chefetagen“ (Quelle: Wikipedia)
Hier in Mainz spricht man von „Handkäs-Maffia“, die die Stadt regiere.
Lesen Sie, was Ulrich v. Alemann zu diesem Themenkomplex meint.
Das Tor, Düsseldorfer Jonges_2_2015_81. Jahrgang_S.15 (1)
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge
81/ Januar 2015
Guten Tag,
da es gerade (Beitrag 79,80) um das Thema „Leserbrief“ geht: Können Leserbriefe besser sein als die Kommentare der Meinungsprofis? Ich schlage vor, die Antwort am Leserbrief des Wormser Bürgers Ludger Sauerborn zu suchen. Der nachfolgende Text erschien in der AZ vom vergangenen Samstag auf der Leserbriefseite:
Leserbrief zum Artikel „Wer ist das Volk?“ am 07.01.15
Gestern habe ich in einem Bericht Ihrer Zeitung über die Köpfe der Pegidabewegung zum x-ten mal gelesen, dass Lutz Bachman wegen Diebstahls und Drogendelikten vorbestraft ist. Über die einzige Frau im zwölfköpfigen Organisationsteam von Pegida erfahre ich wörtlich: „Laut Medienberichten ist die Blondine 36 Jahre alt…“.
Man stelle sich einmal vor Ihre Redakteure hätten nach der Wahl von Simone Peter zur Parteivorsitzenden der Grünen geschrieben: „Die Blondine ist 47 Jahre alt.“ Es hätte einen Sturm der Entrüstung gegeben.
Wenn aber die Pegidabewegung diffamiert werden soll, scheint jedes auch noch so unseriöse journalistische Mittel erlaubt. Da werden Ressentiments aus der untersten Schublade schenkelklopfender Stammtische beim Leser zu wecken versucht.
Wäre es nicht Aufgabe einer seriösen Zeitung statt eine Bewegung wie Pegida mit allen Mitteln zu diffamieren, über die Bewegung objektiv zu informieren und sich den Leser selbst ein Urteil bilden zu lassen!
Dazu gehört meiner Meinung nach die 19 Thesen der Pegida den Lesern zugänglich zu machen. Dann kann sich jeder mündige Leser Ihrer Zeitung selbst fragen: Was halte ich davon für richtig? Was für falsch? Ist irgend was rechtsradikal oder gar verfassungswidrig? Oder bin ich gar mit allem was da gefordert wird einverstanden? Und schließlich kann sich der Leser eine eigene begründete Meinung bilden. Mir scheint, genau da vor haben aber viele Politiker und Medienvertreter Angst.
Und falls ein Leser jetzt gerne reflexhaft eine der stets griffbereiten Diffamierungskeulen gegen mich schwingen möchte: Ich bin weder eine ungebildete „Dumpfbacke“ noch ein „Nazi im Nadelstreifen“, noch „ausländerfeindlich“, noch ein „abstiegsbedrohter Globalisierungsverlierer“. Ich bin Gründungsmitglied der Grünen und seit über 35 Jahren in verschiedenen Funktionen für diese kommunalpolitisch aktiv. Und ich lebe sehr glücklich mit meiner chinesischen Frau und vier Kindern in einer multikulturellen Patchworkfamilie.
Brief 80/Januar 2014
Guten Tag,
die Diskussion um (Nicht-) Kommunikation mit Leserbriefschreibern kann fortgesetzt werden. Der Bundesverband der Zeitungsverleger BDZV, Berlin, nennt Beispiele aus seiner Sicht gelungener Kommunikation zwischen Redaktion und Leser. Hier der Brief:
Wir haben zu dem – spannenden – Thema leider keine quantifizierbaren Erkenntnisse. Mindestens zehn Zeitungen beschäftigen einen Ombudsmann/eine Ombudsfrau, die sich auch um Anfragen der Leser kümmern und Themen aufgreifen. Wohl am bekanntesten dabei ist Anton Sahlender, der dies Amt seit vielen Jahren für die Main-Post in Würzburg ausübt, mittlerweile aus dem Ruhestand heraus.
Die großen Titel haben, soweit die Anmerkungen online und zentral eingehen, zumindest eine automatisierte Antwort und beschäftigen eine eigene Leserbriefredaktion. Angesichts der Masse der eingehenden Briefe und Mails kann ich mir jedoch nicht vorstellen, dass wirklich jeder Absender eine Antwort erhält, zumal die Schreiber zum Teil sehr fordernd sind….(folgt ein Beispiel, das aber nicht veröffentlicht werden soll)
Leserbriefe (und Kommentare, soweit sie nicht von Trollen stammen) sind unbedingt ein Mittel der Leser-/oder heute besser Publikumsbindung. Obendrein können sie auch zur Themenfindung beitragen. Aber auch hier enden die Möglichkeiten jenseits der mechanischen Eingangsbestätigung bei der Zahl der geschulten Mitarbeiter, die für die Bearbeitung und Beantwortung eingesetzt werden können. Wenn es ganz gut läuft, sind Leserbriefe Sache der Chefredaktion.
Es tut mir leid, dass wir Ihnen nicht mit klareren Zahlen dienen können. Sicherlich gibt es auch in den medienwissenschaftlichen Studiengängen die eine oder andere Bachelor- oder Masterarbeit zu diesem Thema.
Mit freundlichen Grüßen
Anja Pasquay
Beitrag 79/ Januar 2015
Guten Tag,
ich hatte auf einen Bericht vom 11.11. 14 einen Leserbrief an die Mainzer Allgemeine Zeitung geschickt und, nachdem ich wochenlang weder Bestätigung noch Abdruck sah, nachgehakt. Darauf schrieb mir der zuständige Journalist nach eigener Einschätzung „etwas patzig“ zurück. Diese Mail lud mich zu einigen grundsätzlichen Gedanken zum Beziehungsverhältnis Journalist-Leserbriefschreiber förmlich ein.
Wie, fragte ich mich, kann man das äußerst gedämpfte Interesse einer Lokalzeitung an Leserbriefen erklären? Warum verhalten sich Zeitungen in einer Situation, in der sie durch verändertes Medienverhalten ihrer bisherigen und vor allem potentiellen Leser ernsthaft gefährdet sind, dermaßen distanziert und desinteressiert ? Warum nutzen sie nicht die Chance zu besserer Leserbindung? Oder ist das nachfolgend vorgestellte Beispiel nicht examplarisch für Printerzeugnisse, speziell Lokalzeitungen?
In dem Leserbrief ging es übrigens um einen Vorstoß der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei Papst Franziskus, wonach er die deutschen Bischöfe dazu bringen soll, zur Familienzusammenführung syrischer Christen einen Fonds zu gründen. Da ich mich in der Frage der Familienzusammenführung dieser Gruppe durch den Mainzer Fall Rothe/Baho einigermaßen auskenne, weiß ich, wie schwer sich Ämter mit der entsprechenden Vorschrift tun und habe in dem Leserbrief folglich angeregt, dass die Landespolitikerin sich statt Symbolpolitik zu betreiben sich um die Aufgaben kümmern möge, die in ihrem unmittelbaren Verantwortungsbereich liegen. Mehr dazu Blog Nr. 77 und Familie-Baho.de
Nachtrag 12.1.: Mein Tübinger Freund Max Steinacher hat mir seine Sammlung von Zeitungsreaktionen auf Leserbriefe zur öffentlichen Dokumentation überlassen. Sie zeigen, wie andere Zeitungen, regionale und überregionale, bei Leserzuschriften verfahren. Im Pressekodex des Presserates findet sich übrigens keine Benimm-Regel von Zeitungsredaktionen gegenüber Lesern bei Nichtberücksichtigung. Im Netz, auch im wikipedia-Beitrag über Leserbriefe, wird das Augenmerk auf Bedeutung und Form des Leserbriefes gelegt.
Anlage 1
Sehr geehrte Damen und Herren, ich hatte Ihnen einen Leserbrief „Malu Dreyer beim Papst“ geschickt. Das ist ca. vier Wochen her. Finden Sie es richtig, noch nicht einmal den Eingang eines Leserbriefs zu bestätigen und wenigsten so zu tun, als interessiere Sie die Meinung Ihrer Leser? Mich beschäftigt – ich war Geschäftsführer des Verbandes der Werbe- und Kommunikationsagenturen GWA- die Krise von Print, insbesondere der Lokalzeitungen. Mit diesem Verhalten vergrößern Sie die Krise. Ich habe den Beitrag mittlerweile auf meine Homepage gestellt www.vonvieregge.de Das ändert aber nichts an meiner Nachfrage.
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge
Anlage 2
Sehr geehrter Herr von Vieregge,
trotz bevorstehender Weihnachtsfeiertage muss ich Ihnen eine etwas patzige Antwort geben: Angesichts der zahlreichen Leserbriefe, die allwöchentlich bei uns eingehen, hätte ich wahrlich viel zu tun, wenn ich jedem Schreiber den Eingang seines Leserbriefes bestätigte. Tut mir leid: Das ist nicht zu machen. Und eine Absage mit Begründung erst recht nicht.
Nichts für ungut, bitte. Frohe Festtage
Jens Frederiksen
Jens Frederiksen
Ressortleiter Feuilleton
Allgemeine Zeitung Erich-Dombrowski-Str. 2
55127 Mainz
—
Formularbeginn
Formularende
|
Anlage 3
Lieber Herr Frederiksen,
danke für Ihre Mail, die ich weniger patzig als vielmehr erhellend finde.
Sie sind überlastet, sagen Sie. Offenbar ist es eine Nebenaufgabe des Feuilletonverantwortlichen, Leserbriefe durchzulesen und zu entscheiden, welche gedruckt werden. Da haben Sie, schreiben Sie, keine Zeit zu einer formalen Rückmeldung, geschweige denn einer inhaltlichen. Sie versuchen gar nicht erst den Eindruck zu erwecken, als ob die Anregungen, die per Leserbrief eingehen, die Redaktion interessieren könnten. Ob diese Zeitung gut beraten ist, sich nicht mit der notwendigen Manpower für die Kommunikation mit ihren Lesern auszustatten, bezweifele ich, zumal sich gute Gegenbeispiele auch in Lokalzeitungen finden lassen: Da kommt grundsätzlich jeder Leserbrief ins Netz, Leserbriefen wird viel Raum im Blatt gegeben und die Redaktion lädt sich Kritiker ein, die ihr den Spiegel vorhalten. Offenbar nicht so in Mainz.
Meinen Sie, Lokalzeitungen sind in der Situation, sich Einbahnkommunikation weiterhin straflos leisten zu können? Das Monopol, das vielerorts im Pressewesen herrscht, auch in Mainz, besteht ja nur bei denen, die Zeitung lesen. Aber die Menschen haben zunehmend andere Möglichkeiten, sich zu informieren und zu partizipieren. Vor allem Jüngere gehen ins Netz, weil sie zu wenig Nutzen in Print sehen. Die Auflagenverluste kann man getrost dramatisch nennen. Es gibt einige gute Ideen, mit denen die AZ versucht, den Trend in seiner Wucht zu mindern. Kruschel gehört dazu.
Nutzen und Bindung, darüber wird diskutiert, nicht nur bei den Printmedien. Bindung geschieht über Aufmerksamkeit, die Relevanz und Reputation schafft. Nicht nur die Printmedien müssen im Wettbewerb um Aufmerksamkeit bestehen. Pfarrer müssen bei ihren Pflichtaufgaben, Kasualien genannt, besonders aufmerksam und einfallsreich sein, Unternehmen bei Beschwerden von Kunden, Staatsverwaltung bei Anliegen von Bürgern. Und allen passt das nicht selten keineswegs in den Alltagskram und wird als Chance nicht genutzt. Genau wie bei Ihnen die Leserbriefe, eigentlich ideale Steilvorlagen, um beim Nutzer zu punkten.
Warum geschieht das Gegenteil, nämlich die Verärgerung des Leserbriefautors? Tun sich möglicherweise Journalisten in ihrer Selbstwahrnehmung als professionelle Kommunikatoren besonders schwer, echte, d.h. Zwei-Wege-Kommunikation zu praktizieren? Leserbriefschreiber sind unter diesem Blickwinkel notorische Störenfriede, die die Mühen der Profis nicht honorieren wollen. Deswegen muss man sie sich vom Leib halten. Sie sind wie undankbare Kunden, freche Bürger oder Christen, die am unpassenden Tag versterben.
Sie, lieber Herr Frederiksen, haben den Fehler gemacht, auf meinen etwas fordernden Ton in der Beschwerdemail hereingefallen zu sein und entgegen Ihrer Auffassung und jenseits Ihrer Ressourcen doch geschrieben zu haben , was Ihnen – das war ja vorhersehbar- nun einen Folgebrief eingebrockt hat. Eine schöne Bescherung!
Mit besten Grüßen und guten Wünschen für 2015
Henning v. Vieregge
Anlage 4
Antwort Redaktion AZ an mich steht aus.
Ich hatte bis 8.1. um Antwort gebeten, andernfalls würde ich den Vorgang auf meine Homepage und damit zur öffentlichen Diskussion stellen