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Was Mainz von Ulm lernen sollte, Man kann auch am Dom (bzw. Münster) bauen, aber die Architektur muss erstklassig sein

27 Mrz
27. März 2019

Blog 201/ März 2019

Guten Tag und gleich ein Dementi: das ist nicht der Blick aus dem Bibelturm zum Gutenberg-Museum auf den Mainzer Dom. Der Blick hätte aber so sein können, ja, wenn das Mainzer Stadtparlament nicht seine eigene Entscheidung gekippt und die Mainzer Bevölkerung das Bauwerk anschließend in der Bürgerbefragung abgelehnt hätte.
Was könnte Mainz von Ulm lernen?
1986 wurde per Bürgerentscheid die Bebauung des Münsterplatzes abgelehnt, aber das Quorum reichte nicht und das Stadtparlament beschloss gleichwohl eine Ausschreibung zur Bebauung. Der weltbekannte amerikanische Architekt Richard Meier, zur Teilnahme durch die Ulmer Stadtspitze aufgefordert, erkundigte sich bei einem Freund, dem ebenfalls berühmten Wiener Architekten Hans Hollein, ob der, auch aufgefordert, teilnehme. Hollein, gut informiert, riet ab: Die Ulmer kriegen ohnehin nichts gebacken. Seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhundert gab es 17 Wettbewerbe, keiner kam ans Ziel. Auch Meiers Siegerentwurf führte zu erbitterten Debatten innerhalb der Ulmer Bürgerschaft. Er war der Durchbruch zur Neugestaltung von Ulms Mitte, an der sich nun führende Architekten wie Gottfried Böhm und Stephan Braunfels mit Gebäuden beteiligten. Das ist es, was Mainz von Ulms lernen könnte: Endlich mal was hinbekommen von Weltniveau. Das Gutenberg-Museum mit einer auf den Liebfrauenplatz vorgezogenen Bebauung wäre ein guter Anfang. Eine Stadt mit Anspruch braucht Architektur mit Anspruch. Auch Mainz muss den Ruf verlieren, Wettbewerbe auszuschreiben und dann politisch nicht durchzustehen. Die Bevölkerung kann man bei Entscheidungen einbeziehen, auch das lehrt Ulm. Aber eben nicht so dilettantisch und halbherzig wie dies beim Bibelturm der Fall war.

Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

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