Tag Archive for: Nachbarschaft

Heimathasser, Heimatliebhaber und Heimatverlassene, ein Essay und zehn Thesen zur Nachbarschaft

13 Jun
13. Juni 2019

Blog 206, Juni 2019

Guten Tag,
die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Die Politische Meinung“ steht unter dem Schwerpunkt „Dienst: Menschen schützen. Menschen helfen“.
Mein Beitrag darin lautet: „Spirale des Positiven: Heimat und Vertrauen.“

2019 Henning von Vieregge_Spirale des Positiven

Wo die Spirale anfängt:

Passend dazu möchte ich 10 Thesen zu Nachbarschaft zur Diskussion stellen:

1. Soziale Beziehungen stärken die Resilienz. Sie helfen also, nach Niederschlägen wieder aufzustehen.
2 . Wer keine sozialen Beziehungen hat, ist einsam. Der einsam ist, lebt schlechter und stirbt früher.
3. Nachbarschaft ist so wichtig wie Familie und Freunde, ist aber das schwächste Glied in der Beziehungskette. Nachbarschaft in der Stadt, speziell im Hochhaus, funktioniert selten gut. Es bedarf Menschen wie Frau Soller (beschrieben in ruhige Straße in guter Wohnlage, die Geschichte meiner Nachbarn von Pascale Hugues, einer französischen Journalistin, die nach Berlin zog.) Oder eben eine Plattform wie neben an DE als Kontaktanwärmer (die Geschichte der SWR Journalistin, die im Streit mit ihrem Obernachbarn wegen Blumenwasser, das runterrieselt, liegt und über neben an DE sich traut, in den persönlichen Kontakt zu gehen)
4. Im Netz pöbeln die Angsthasen. In ihren Blasen stärken sich die Angsthasen die Rücken bis hin zur Radikalisierung. Es gibt sogar die Selbstradikalisierung, die aus muslimischen Normalos islamistische Terroristen macht. Mord auf amerikanische Soldaten am Frankfurter Flughafen. Die Blasen sind durchlässig. Das verstärkt ihre Wirkung. Algorithmen feuern immer neue Salven. Schlechtes Benehmen im Netz und schlechtes Benehmen auf der Straße hängen zusammen. Das Unzivile, ja Antizivile in der Gesellschaft wächst.
5. Nebenan.de ist der manierliche Gegenentwurf im Netz. Hier beweist sich, dass nicht moralische Aufrufe, sondern gescheite Regeln helfen. Verhältnis Prävention statt Verhaltensprävention, das ist nicht nur im Netz das richtige Vorgehen. Klarnamen, Adressen Wahrheit und abgegrenzte Wirkungsraum (Quartier), das ist das Erfolgsgeheimnis von neben an DE.
6. Nachbarn sollten mehr feiern. Deswegen hat nebenan.de in diesem Jahr zum zweiten Mal zum Tag der Nachbarn aufgerufen; daraus könnte eine gute Gewohnheit werden.
7. Die Wiederentdeckung des Quartiers ist der Wunsch der Bürger (einflussreich Klaus Dörner, Leben und Sterben, wo ich hingehöre, Dritter Sozialraum und neues Hilfesystem und des Staates, der hofft, auf diesem Weg die Schwierigkeiten des demographischen Wandels mit einem enormen Zuwachs der älteren Generation und einer Bevölkerungs Verschiebung in die dichter besiedelten Räume besser bewältigen zu können. Ein neuer Mix von Haupt und ehrenamtlichen im Quartier, das ist die Idee.
8. Familie bleibt wichtig, wird aber als Hilfesystem schwächer (Globalisierung, Karriere von Frauen)
9. Mit Familie muss jeder, mit Freunden kann jeder. Aber: Geld und körperliche Nähe Schwachpunkte.
10. Zivilität entsteht im Dreierschritt: Gruß, kleine unverbindliche Hilfe, institutionelle Hilfe, am besten auf Gegenseitigkeit.

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

Hallo, Frau Nachbarin!

Was Nachbarschaft kann

05 Jun
5. Juni 2017

Blog 152/Juni 2017

Guten Tag,
Heimat wärmt und orientiert. Manchmal zu viel, manchmal zu wenig. Ein Thema, über das es sich lohnt, näher nachzudenken. In Johannesburg gab es im Museum Africa eine Sonderausstellung zu den Townships. Dort fand ich das untenstehende Bild: Heimat, die wärmt.

Der kluge Trevor Noah, der in einem südafrikanischen Township aufwuchs, macht in seinem Buch „Born a Crime“ auf die Doppelgesichtigkeit geschützter Räume aufmerksam: „The hood has a wonderful sense of community
The hood was strangely comforting, but comfort can be dangerous…..The hood has a gravitational pull. It never leaves you behind, but it also never lets you leave.“ Ob es Stadtteile in Deutschland gibt, auf die diese Beschreibung zutrifft?
Den meisten ist es zu kalt und anonym. Was Nachbarschaft leisten kann, ist hier nachlesbar: Rotary Magazin Nr. 6/2017
https://rotary.de/gesellschaft/was-kann-nachbarschaft-a-10815.html
2017-Rotary-Nachbarschaft
Darin auch Vortsellung von nebenan.de
Dies geschah auch im Lokalen in Mainz.

Die Nachbarschaft durch das Internet genauer kennenlernen

Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

Brief Nr. 4/2010: Leben und sterben wo ich hingehöre – Eine Begegnung mit Klaus Dörner

09 Feb
9. Februar 2010

Klaus Dörner beim Gespräch in seiner Hamburger Wohnung

„Leben und sterben wo ich hingehöre“. Ich sage ihm, ich finde den Titel Ihres Buches hinreißend. Die zentrale Aussage eines Buches in sechs Wörtern. Das könne jeder verstehen. Er habe an dieser Zeile fast so lange gefeilt wie am Buchtext, antwortet Klaus Dörner. Und nun würde er zumeist auch unter dieser Überschrift zu Vorträgen eingeladen. Was zeige, daß sie trage. „Er hat 70 Veranstaltungen im ersten Halbjahr 2010“, erzählt seine Frau, als Dörner für ein Telefonat aus dem Zimmer ist. Helfen Sie ihm dabei?, will ich wissen. „Ich halte ihm den Rücken frei“, sagt sie. Um mit 76 Jahren so viele Veranstaltungen kreuz und quer in der Republik zu machen, brauchst du jemanden, der dich so unterstützt, denke ich mir. Und dann brauchst du Vitalität und eine Botschaft, die die Leute neugierig macht. So wie mich. Ich habe Klaus Dörner beim Bremer Kirchentag erlebt, wie er einen Saal voller Grauköpfe zum Tosen brachte. Dabei sind seine Aussagen unbequem. Ich war fasziniert und habe ihn angerufen und um ein Gespräch gebeten. Er lud mich in seine Wohnung in Hamburg Eppendorf ein, bestimmter Tag bestimmte Uhrzeit. Im November sprachen wir, nun ist Februar.
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