Tag Archive for: Ehrenamt

Engagement, das attrahiert

07 Aug
7. August 2018

Blog 184/August 2018

Guten Tag,
„Engagement, das attrahiert“ ist ein Beitrag, den ich für den Verbändereport, bei dem ich Redaktiosmitglied bin, geschrieben habe.Denn Verbände beschäftigt die Entwicklung rund um das bürgerschaftliche Engagement. Die Politiker auch? Ich habe da meine Zweifel. Wenn man sieht, auf welchem Niveau der Vorschlag von Annegret Kramp-Karrenbauer diskutiert wird, über die Wiederbelebung des ja nur ausgesetzten Wehrdienstes und damit auch des Zivildienstes nachzudenken, dann zweifelt man daran, ob Medien und Poiliker in ihrem Leben schon mal von Zivilgesellschaft als dritter Arena neben Staat und Wirtschaft nachgedacht haben. Aber der Reihe nach. Erst einmal der Beitrag aus dem Verbändereport Nr. 5 vom Juli/August, also gerade erschienen. Als Blog 185 folgt dann ein Meinungsbeitrag zur Diskussion um den „Zivildienst mit und ohne Waffen“, wie es vor dem Guttenbergschen Eskapismus hieß.
2018 Verbändereport Engagement attrahiert

Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

Altenbericht macht Laptop zum Wrack

17 Apr
17. April 2017

Blog 147/ April 2017

Brief an Prof. Dr. Andreas Kruse,
Vorsitzender der Kommission, die den 7. Altenbericht erstellte. (Auszug)

Lieber Herr Kruse, anbei ein Foto, das zeigt, welchen Schaden der Altenbericht anrichten kann und zwar als DRUCKSache im wahren Wortverständnis.Die Broschüre drückte so auf meinen Laptop, dass der nun aussieht wie er aussieht und natürlich irreparabel ist. Opfer muss man bringen um der guten Sache willen.

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

Hinweis: Sowohl der 7. Altenbericht als auch der 2. Engagementbericht sind im Netz verfügbar.

Großes Interview mit Olaf Zimmermann

07 Aug
7. August 2016

Blog 125/ August 2016
Guten Tag,

Olaf Zimmermann, Deutscher Kulturrat

„Interessenvertretung ist ein Ausdruck unserer Demokratie. Ohne organisierten Lobbyismus bricht sie zusammen. Überall, wo die zivilgesellschaftlichen Strukturen nicht gut ausgebaut sind, entstehen Probleme. Wir müssen endlich aufhören, uns wegzuducken, uns zu verstecken. Beim Deutschen Kulturrat gibt es überhaupt nichts Geheimes“.

Das ganze Interview (Quelle: Verbändereport Nr. 5/2016)

2016,5 VR Interview Zimmermann

Mit freundlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

Kölner Sylvesternacht: Was kann Kirche tun?

06 Jan
6. Januar 2016

Blog 112/Januar 2016

Guten Tag,

aus dem aktuellen Anlass der Sylvesternachtsereignisse rund um Dom und Hauptbahnhof in Köln stellt sich die Frage, was die Kirche(n) zur Integration beitragen können.

Nagelprobe wird  die Aufgabe der Integration

Auf die Nothilfe, am besten parallel dazu, folgt der Integrationsprozess. Manche tun so, als sei dies mit dem Erlernen der Sprache getan. Das ist bei weitem zu kurz gedacht. Es geht es um die Frage, was uns essenziell also keineswegs aufgebensfähig, und was uns wichtig aber nicht essenziell ist. Und umgekehrt, was diejenigen, die sich in diese Gesellschaft  einleben wollen, an Wertvollem mitbringen, aus dem sich Schritt um Schritt ein neues „Wir“ formt. Dies ist kein Prozess, der durch gemeinsames Lesen des Grundgesetzes erfolgreich sein kann.

Kann Kirche hier durch ihre Gemeinden (sinnvoll verstärkt durch alle anderen kirchlichen Organisationen, die bereit sind, nicht von oben zu reden sondern lokal zu agieren) vor Ort eine wichtige Aufgabe ausfüllen, bei der es um die Formulierung und das Vor-Leben von Werten in einer offenen Gesellschaft geht?  Kann Kirche diese für die Zukunft der Gesellschaft zentrale Aufgabe  mit ihrem bisherigen Haupt – und ehrenamtlichen Personal bewältigen? Oder führt das Annehmen der Aufgabe nicht vielmehr zur Notwendigkeit  einer Kooperation mit allen Bürgern, auch und gerade denen , die nicht nur abseits der Kirche stehen, sondern auch Angst vor der Zukunft in dieser neuen deutschen Melange haben, auf die sich niemand vorbereitet hat ? Kirche wird in diesem Prozess ohnehin verändert. Es wäre für sie und die Gesellschaft besser, sie nimmt die Aufgabe an.

Dazu ist eine stärkere Öffnung zur Gesellschaft unvermeidlich. Mit ihrem bisherigen Ehrenamtspersonal wird die Aufgabe nicht zu bewältigen sein.

Mit besten Grüßen

Henning v. Vieregge

P.S. Der vorstehende Text ist ein Ausschnitt aus einem längeren Text zum Thema „Kirche, Ehrenamt und Flüchtlingsfrage“, der im Hessischen Pfarrblatt erscheinen  wird.

Malteser fordern auf, FDP hat’s verschlafen:Neujahrsvorsatz Engagement

04 Jan
4. Januar 2016

Blog 111/Januar 2016

Guten Tag,

natürlich weiß ich, dass im Januar die Sportstudios überfüllt sind. Das hört man immer wieder. Am eigenen Leib spüre ich die guten Vorsätze der Anderen beim morgendlichen Schwimmen. Neben den Sicht- und Grüßbekannten kommen Neue, aber die wenigsten schaffen es, vom einmaligen „Hurra, ich habe meinen Schweinehund überwunden“ Ereignis in die Regelmäßigkeit zu kommen. Die lautet: „Mist, ich habe heute verschlafen. Da fehlt mir was den ganzen Tag.“

Was ich noch nicht wusste: Beim Festival der guten Vorsätze zum Jahreswechsel fehlt auch die Absicht nicht, sich ehrenamtlich/bürgerschaftlich zu engagieren. Das jedenfalls sagt Lioba Abel-Meister, Leiterin des Ehrenamtsprogramms der Malteser in Frankfurt. Dass es diese Stelle gibt und dies bei den konservativ-katholischen Maltesern, zeigt: Immer mehr Organisationen der Zivilgesellschaft professionalisieren ihre Suche nach Freiwilligen. Die Malteserin: „Wir machen punktuelles Ehrenamt möglich… Wir halten die Arbeitszeiten flexibel.“ Ihr Rat: „Auf jeden Fall anrufen. Zum Nachdenken bleibt dann noch genug Zeit. Wir überreden niemanden.“(FAZ Frankfurt vom 3012.2015 S.30)

 

Dahrendorf und Dutschke

Manche Parteien haben die Veränderung beim Engagement  noch nicht begriffen.  Bekanntlich wird in Rheinland-Pfalz , in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt  am 13. März ein neuer Landtag gewählt. Gerade für die FDP steht viel auf dem Spiel. Sie muss  ihre Relevanzzuschreibung zurückgewinnen, sonst bleibt sie an der 5 Prozent Hürde hängen. Geht man auf die Seite der FDP Mainz und sucht den Button „Unterstützung“ oder „Sympathisanten“ oder „Engagement“, such man vergebens. Halt, da ist ein Button „Mitmachen“. Der aber führt zu einem Formular. „Aufnahmeantrag“. So zeigen ausgerechnet die Liberalen, die in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhundert mal als Partei nahe an Protest und Bürgerinitiativen stand (man erinnert sich an das berühmte Bild von Ralf Dahrendort und Rudi Dutschke im öffentlichen Streitgespräch), dass sie vor lauter Selbstbeschäftigung den Anschluss an die Entwicklungen in der Zivilgesellschaft verpasst haben. Leider. Und die anderen Parteien?

Mit besten Grüßen

Henning v. Vieregge

 

Die vergebenen Chancen des Kirchentags

06 Jun
6. Juni 2015

Brief 96/ Juni 2015

Guten Tag,

auf dem   wieder interessanten Kirchentag in Stuttgart (4.-7. Juni) spielte das Thema Zivilgesellschaft im Verhältnis zu Staat und Wirtschaft keine zentrale Rolle. Zu diesem zentralen Zukunftsthema versagt der Kirchentag als Seismograph. Dabei arbeiten in der Engagementpraxis viele kirchlich gebundene und ungebundene Menschen an den Schnittstellen zwischen Kirche und Zivilgesellschaft.  Sie sind  Beleg für die Notwendigkeit einer ordnenden und gleichzeitig weiter aktivierenden  Debatte. Der Wettbewerb um engagementwillige Bürger nimmt zu. Die Repräsentanten des Staates betonen, dass wachsende Herausforderungen (Flüchtlinge, demografischer Wandel etc.) ohne Erhalt und Ausbau bürgerschaftlichen Engagements überhaupt nicht zu Chancen werden können. Ohne dieses Engagement wären aus den Herausforderungen schon längst drängende, wenn nicht unlösbare Probleme geworden.

Als Ausnahme von der weitgehenden Nichtbeachtung kam bürgerschaftliches Engagement  im Zentrum Älterwerden vor. Das könnte damit zu tun haben, dass die  Generation der fitten Alten bei diesem Thema besonders aktiv ist und noch aktiver sein könnte, denn schließlich haben sie reichlich Zeit, Geld und Kompetenz. Die vorbereitende Arbeitsgruppe (Leitung: Jens Peter Kruse) sorgte dafür, dass die maßgebliche Akteure der im Abschluss befindlichen Alten- und Engagementberichte der Bundesregierung frühzeitig eingebunden wurden. Noch spannender wäre der Schulterschluss mit den Aktiven des Zentrum Gemeinde gewesen, aber die Reformer innerhalb der Kirche waren wie bei früheren Kirchentagen wieder an den äußeren Rand der Kirchentagsorte verbannt worden, dieses Mal nach Zuffenhausen.

Addiert man beide zentralen Fragestellungen der Zentren Älterwerden und Gemeinde aus Kirchensicht , stellt sich die verbindende Frage: Offener zur Gesellschaft und verwurzelter  im Glauben, wie soll das gehen?

Für den katholischen Priester und Autor Christian Hennecke  (Hildesheim), auf dem Kirchentag mehrfach aktiv, ist die Sache klar: „Da wo diese beiden Akzente, dieses Dienen in der Welt, das’Mit-den-Menschen-Sein‘ und das ‚Mit-Christus-Sein‘, sich ereignen, da, glaube ich, haben wir große Chancen.“ Hoffen wir, dass dieser Aussage auf den kommenden Kirchentagen, den katholischen und den evangelischen, und im Lutherjahr 2017 mit Ernsthaftigkeit nachgespürt wird, theoretisch und empirisch.

Mit besten Grüßen

Henning v. Vieregge

Nachtrag: Der SPIEGEL (Nr.24/2015, S.40 f) berichtet über den Kirchentag. Zentrale Aussage: Es sei „unklar,ob die Grünen die Protestanten gekapert haben – oder die Protestanten einen wesentlichen Teil der Grünen…Die Frage ist, ob es Kirche auf Dauer gut bekommt, wenn sie sich in eine Vorfeldorganisation der Grünen verwandelt„.  Das ist SPIEGEL-Argumentation: Was eben noch unklar war, ist einige Sätze später klar und schon wird aus Differenziertheit floppige Einseitigkeit.  Kritikwürdigkeit an der engen Beziehung Kirchentag-Kirche zu Grünen  wird weiter dadurch suggeriert, dass an diezweite Aussage unmittelbar die Austrittszahlen gehängt werden, als ob es eine kausale Beziehung zwischen (angeblicher) Grünenabhängigkeit und tatsächlicher Kirchenmitgliederentwicklung gäbe. Das ist natürlich Unsinn. Richtig an dem Beitrag scheint mir zu sein, dass die Grünen bei den jetzt die Hebel der Macht haltenden Babyboomern kultureller Mainstream sind . Unbestrittene Dominanzfigur des Mainstreams ist Margot Käßmann. Ihre Einlassungen, auch die Predigten, so in der Bibelarbeit beim Kirchentag, spiegeln blanken Kulturpopulismus mit vorhersagbaren Ausfällen: pro Griechenland, contra Militär, Banken, Machtträgern der Wirtschaft etc. Dazu wurde ein süßes Enkelkind hinter das Rednerpult platziert und der Saal bebte vor Begeisterung. Der Traum von einer anspruchsvollen, weil sich den Widersprüchen und der Komplexität modernen Lebens ausliefernden Kirche, der unter Wolfgang Huber Realität zu werden schien, ist nun wieder ausgeträumt angesichts der Popularität einer Führungsfigur, die sich von jeglicher zügelnder Verantwortung durch ihren Rücktritt vom Bischofs- und EKD-Amt befreit hat.  Das Vorurteil gegen führende Vertreter des Protestantismus, sie sähen  in Leistungsträgern der Gesellschaft nur die Kühe, die zu melken aber nicht zu füttern sind, erlebt sein Revival. Polemisch zugespitzt: Am besten wären alle in der Situation von Pfarrern: das Geld kommt von der Steuer und alle Beschäftigten im Beamtenglück.

In der Rückschau zum Kirchentag merkt Loring Sittler, Generali Zukunftsfonds und in der Vorbereitungsgruppe Älterwerden, zweierlei an:

1. Für das auch von der Presse so wahrgenommene „Schaulaufen der Politprominenz“ müsste sich der Kirchentag zu schade sein. Die Annahme, dass nur die Promis die Gäste anziehen, kann als widerlegt gelten. Die Leute sind an Themen interessiert.

2. Es muss allen Akteuren wesentlich deutlicher als bisher der geistliche Bezug als Aufgabe vermittelt werden – und die konkrete Nachfrage bei den Veranstaltungen, was das Erörterte für die konkrete Gemeindearbeit und/oder den Einzelnen zur Folge hat.

Beide Bemerkungen teile ich

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