Leserbrief Rhein Main Presse

Mainz, 12. Juli 2011

Zu: Vom Asta ins Landesparlament

9. Juli 2011 (Region)

Sehr geehrte Damen und Herren,

danke für das Porträt des grünen Landtagsabgeordneten Gunther Heinisch. Wir lernen: Er ist 33 und im 21. Semester Politikwissenschaft. Er studiert also 10,5 Jahre und ist dabei, sein Studium abzuschließen. Bisher, so lesen wir, hinderte ihn daran intensive Mitarbeit in Universitätsgremien der freiwilligen Selbstverwaltung. Dafür brauchte er aber auch keine Studiengebühren für sein Langzeitstudium zahlen.

Er ist ein Befürworter der generellen Abschaffung der Studiengebühren für Langzeitstudenten. Der rotgrüne Koalitionsvertrag sieht dies vor. Der neugewählte Landtagsabgeordnete der Grünen findet das gerecht. Ich frage mich, wem gegenüber ist das gerecht? Gegenüber den Studenten, die in der Regelstudienzeit abschließen oder gegenüber denen, die nachrücken und auf Überfüllung stoßen? Und vor allem: Ist es gerecht gegenüber den nichtstudierenden Generationsgenossen? Die haben vielleicht mit 16 mit der Lehre angefangen und arbeiten bereits 15 Jahre, wenn G. Heinisch  seinen Studienabschluss nun ernsthaft in Erwägung zieht.  Auch aus ihren Steuern wird die Universität finanziert. Warum lässt die Universität zu, dass sich Studentenpolitiker jahrelang (im Fall Heinisch doppelte Studienzeit) in den Gremien aufhalten anstatt ihr Studium zu Ende zu bringen? Ist das etwa ein Vollzeitberuf? Halten die Professoren, die in den gleichen Gremien sind, keine Vorlesungen? Studentenpolitisches Engagement kann für Leute, die damit nicht umgehen können, zum Gift einer Versuchung  werden, das harte Brot des Studiums immer stärker zu meiden. Und schließlich: Die Grünen bieten keine Gewähr, einen konstruktiven Beitrag gegen Parteienverdrossenheit zu leisten. Gerechtigkeit, so buchstabiert und gelebt, ist ein Skandal von Eigeninteressenvertretung einer privilegierten Gruppe von Akademikern und solchen die es werden wollen, die ihre Durchsetzungsgewalt gegen ihre Generationsgenossen und die nachfolgende Generation ohne jeden Skrupel einsetzen. Nicht die Studiengebühren gehören abgeschafft, sondern die Kindergartengebühren. Und zwar bundesweit, damit nicht Bundesländer, die subventioniert werden von anderen Bundesländern, vorpreschen können wie im Fall der Studiengebührenabschaffung.

Mit besten Grüßen

Henning von Vieregge

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