Könnte es sein, dass die Brutalisierung im Fußball und die zunehmende Regellosigkeit in der Kommunikation auf allen Ebenen der Gesellschaft einander bedingen?

27 Juli
27. Juli 2026

355/ Juli, August
Guten Tag,
Fußballexperte Matthias Sammer rät der deutschen Nationalmannschaft, von der argentinischen Nationalmannschaft zu lernen. Offenbar geht er davon aus, dass die Rüpelart der Argentinier und einiger anderer Mannschaften bei der Weltmeisterschaft die Zukunft ist. Das Endspiel gegen Spanien war eine ununterbrochene Abfolge von Fouls und Theatralik bei angeblichen Fouls des Gegners. Nach Spielende wurde weiter gehauen und ein Schild hochgehalten, wonach Falkland zu Argentinien gehört. Spieler als politische Sendboten, strikt verboten und nicht geahndet. Der Schiedsrichter wurde ebenfalls gegen alle Regeln bei jeder Entscheidung von einem Trupp argentinischer Spieler umzingelt. Erlaubt ist, dass nur die beiden Kapitäne mit dem Schiedsrichter bei fraglichen Entscheidungen ihre Position vorbringen dürfen.
Was mich wundert: der Schiedsrichter (ebenso wie in vorherigen Spielen andere Schiedsrichter) ließ die Brutalisierung des Spiels, die sich deshalb steigerte und in regelrechte Keilereien insbesondere bei Ecken im Strafraum ausartete, zu wie ein Lamm unter wilden Tieren. Irgendwann gab es dann eine erste gelbe Karte, nach 40 Minuten viel zu spät, und irgendwann war eine gelb-rote Karte sehr zum Erstaunen der Argentinier, die sich zu wundern schienen, dass so etwas zulässig ist, unvermeidbar.
Könnte es sein, dass die Brutalisierung im Fußball und die zunehmende Regellosigkeit in der Kommunikation auf allen Ebenen der Gesellschaft bis hin zum amerikanischen Präsidenten einander bedingen? Für diesen Fall gibt es zwei Möglichkeiten: Es wird weiter gewütet und Regellosigkeit wird zur neuen Regel. Oder Es handelt sich um einen einmaligen Ausrutscher. Nötig sind dann aber auch Maßnahmen zur Regel-Einhaltung für eine Vielfalt ohne Wut und Häme. Im Netz und auf dem Feld. Auch eine Aufgabe für die hierzulande aktuell zu wenig wertgeschätzte Zivilgesellschaft; der Staat ist ebenso überfordert wie der DFB in seinem Zuständigkeitsbereich: Der Rückbau ist aufwendig, lang und mühselig, hier wie dort.
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

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