Schülerstreiks gegen freiwilligen Dienst in der Bundeswehr
343/ Dezember 2025
Guten Tag, ich habe vor einigen Wochen einen Text zu den Schülerstreiks gegen Wehrpflicht geschrieben. Der war auch als Leserbrief gedacht.
In diesen Tagen sind die Schüler in den Ferien.
Damit ist Ruhe im Karton.
Damit scheint der Text erledigt.
Aber in wenigen Wochen geht der Krieg in der Ukraine ins vierte Jahr.
Und die Fragebögen zur Erfassung Freiwilliger zum Bundeswehrdienst werden ab Januar verschickt.
Dann könnte die Debatte in die zweite Runde gehen.
Und, falls das Wetter mitmacht, könnten die Streiks wieder aufflackern.
Deswegen grundsätzlicher: Die Regierung will 2026 zum Jahr der großen Reformen machen. Da wäre doch der Ausbau der jetzigen Beschlusslage ein schönes Beispiel. Einfach mal Mut haben und machen. Es gibt noch sehr viel mehr Themen. Aber da sind die Landtagswahlen, schon am 8. März in Baden-Württemberg, am 22. März in Rheinland-Pfalz und dann am 6. September in Sachsen-Anhalt, am 20. September in Berlin und Mecklenburg – Vorpommern, also fünfmal Aufregung und Ablenkung. Tagesgeschehen schlägt strukturelle Veränderungen. Und da sind die Blendraketen aus Washington oder Moskau oder Peking noch gar nicht einbezogen. (Hoffentlich bleiben es Blendraketen)
Ich schlage vor, und dieser Vorschlag ist weiß Gott nicht originell, einfach mal bei der eigenen Reformagenda zu bleiben. Stück für Stück erledigen.
Mit herzlichen Grüßen
Henning von Vieregge
Schülerstreiks gegen freiwilligen Dienst in der Bundeswehr
Die Bundeswehr soll wachsen. Dazu sollen Jugendliche gemustert werden, alle Männer, Frauen freiwillig. Offenbar soll auf diesem Weg die Bereitschaft, anschließend freiwillig einige Zeit (7-23 Monate) Soldat zu sein, geweckt werden. Der Wehrsold soll kräftig angehoben werden (2600 € brutto). Ob beides reicht, um den angesteuerten Aufwuchs zu erreichen, ist zweifelhaft.
Also wogegen richten sich die angekündigten Streiks der Schüler eigentlich? Ist die Mehrheit der Schüler wirklich der Meinung, unsere Demokratie, also alles, was unser Leben lebenswert macht, sollte im Zweifelsfall aufgegeben werden?
Russlands Krieg gegen die Ukraine hat uns gezeigt, dass die Aussetzung der Wehrpflicht bei gleichzeitiger Abschaffung des Zivildienstes ein Fehler war. Die jetzt beschlossenen Maßnahmen zur Stärkung der Bundeswehr sind merkwürdig halbherzig. Ebenso wäre eine Wiedereinführung der Wehrpflicht, der die neue Regelung den Weg bahnt, meines Erachtens unzureichend. Demokratie verteidigt man auch zivil. Richtig wäre deswegen die Einführung eines Gemeinschaftsjahres, eines Friedensdienstes mit und ohne Waffen. Würden sich Schülerstreiks auch gegen ein solches Pflichtjahr für alle wenden?
