Autoren-Archiv für: H. v. Vieregge

Wenn Bürgerengagment fragwürdig ist

07 Apr
7. April 2019

Blog 202, April 2019

Guten Tag,
Wie lässt sich vermeiden, dass Engagement den Staat schwächer und starrer macht statt effizienter und flexibler?

Die Antwort in Kurzform: Engagement allein reicht nicht, um die Gefahr zu bannen. Es geht um die Frage, ob der Staat als aktivierender und ermöglichender, in manchen Fällen auch nur zulassender statt bevormundender Staat seine neue Rolle findet und nicht das Engagement seiner Bürger in Zeit, Ideen und Geld dazu nutzt, sich nicht weiterzuentwickeln. »Deutsche
Gründlichkeit ist super, aber es wird jetzt deutsche Flexibilität gebraucht
.«hatte Kanzlerin Angela Merkel mal gesagt.
Die Aufgabe bürgerschaftlichen Engagements besteht darin, den Staat auf diesem Weg kritisch zu begleiten. Das kann durch eigene Aktivitäten, die im wohldurchdachten Ausnahmefall auch Rechtsbrüche einschließen, geschehen.

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge
(aus dem Text „Fragen und Antworten“ aus meinem Buch „Wo Vertrauen ist, ist Heimat, Auf dem Weg in eine aktive Bürgergesellschaft“ soll in lockerer Reihenfolge, d.h. unterbrochen durch andere Beiträge, der Text hier eingebracht werden. Hier Folge 2)

Bitte keine Rechtsbrücke beim Thema Sauberkeit. Das Gegenteil wäre wünschenswert: Mehr Konsequenz durch die Ordnungsmacht.

Was Mainz von Ulm lernen sollte, Man kann auch am Dom (bzw. Münster) bauen, aber die Architektur muss erstklassig sein

27 Mrz
27. März 2019

Blog 201/ März 2019

Guten Tag und gleich ein Dementi: das ist nicht der Blick aus dem Bibelturm zum Gutenberg-Museum auf den Mainzer Dom. Der Blick hätte aber so sein können, ja, wenn das Mainzer Stadtparlament nicht seine eigene Entscheidung gekippt und die Mainzer Bevölkerung das Bauwerk anschließend in der Bürgerbefragung abgelehnt hätte.
Was könnte Mainz von Ulm lernen?
1986 wurde per Bürgerentscheid die Bebauung des Münsterplatzes abgelehnt, aber das Quorum reichte nicht und das Stadtparlament beschloss gleichwohl eine Ausschreibung zur Bebauung. Der weltbekannte amerikanische Architekt Richard Meier, zur Teilnahme durch die Ulmer Stadtspitze aufgefordert, erkundigte sich bei einem Freund, dem ebenfalls berühmten Wiener Architekten Hans Hollein, ob der, auch aufgefordert, teilnehme. Hollein, gut informiert, riet ab: Die Ulmer kriegen ohnehin nichts gebacken. Seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhundert gab es 17 Wettbewerbe, keiner kam ans Ziel. Auch Meiers Siegerentwurf führte zu erbitterten Debatten innerhalb der Ulmer Bürgerschaft. Er war der Durchbruch zur Neugestaltung von Ulms Mitte, an der sich nun führende Architekten wie Gottfried Böhm und Stephan Braunfels mit Gebäuden beteiligten. Das ist es, was Mainz von Ulms lernen könnte: Endlich mal was hinbekommen von Weltniveau. Das Gutenberg-Museum mit einer auf den Liebfrauenplatz vorgezogenen Bebauung wäre ein guter Anfang. Eine Stadt mit Anspruch braucht Architektur mit Anspruch. Auch Mainz muss den Ruf verlieren, Wettbewerbe auszuschreiben und dann politisch nicht durchzustehen. Die Bevölkerung kann man bei Entscheidungen einbeziehen, auch das lehrt Ulm. Aber eben nicht so dilettantisch und halbherzig wie dies beim Bibelturm der Fall war.

Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

Angstszenarien der Demografie, Fragen und Antworten aus: „Wo Vertrauen ist, ist Heimat – Auf dem Weg in eine engagierte Bürgergesellschaft“

21 Mrz
21. März 2019

Blog 200/ März 2019

Guten Tag,
in meinem Buch „Wo Vertrauen ist…“ stehen 33 Fragen und Antworten in einem der Eingangskapitel. Ich möchte diese Texte nach und nach hier einstellen, um zum einen das Interesse an meinem Buch weiter zu stacheln und zum anderen zur Diskussion anzuregen.

Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

Erste von 33 Fragen
Demografie: Welches Angstszenario hätten Sie denn gern?

Antwort
Die demografische Herausforderung spitzt sich auf zwei Aussagen zu, die
einander widersprechen: Die Bevölkerung nimmt stark ab, die Bevölkerung
nimmt stark zu. Beide treffen zu. Welche Wahrheit stimmt, hängt davon ab,
in welchem Teil der Welt man zu Hause ist. Diese gegensätzliche Entwicklung
– hier zu wenige, dort zu viele – drängt auf Ausgleich, zumal wenn
Kriege, schlechte Regierungen, »Failed States« und Klimakatastrophen vor
allem dort zu finden sind, wo die Menschheit stark wächst. »Die heutigen
Risiken und Gefährdungen unterscheiden sich also wesentlich von den äußerlich
oft ähnlichen des Mittelalters durch die Globalität ihrer Bedrohung
(Mensch, Tier, Pflanze) und ihre modernen Ursachen. Es sind Modernisierungsrisiken.
( so Ulrich Beck, Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt am Main 1986,
S. 29.)
Die Frage an uns ist, ob uns das Angstszenario »Überalterung« mit
verschiedenen Untervarianten (zum Beispiel Herrschaft der Greise, systembedingte
Unterversorgung der Kranken und Alten) mehr schreckt oder das
Szenario weiterer massiver und nur teilweise steuerbarer Einwanderung.
Vertrauensbildung, Beheimatung, bürgerschaftliches Engagement sind
drei Stichworte bei der Angstbekämpfung.

Kann Kirche Heimatstifter sein? Ein Interview, dem widersprochen wurde

03 Mrz
3. März 2019

Blog 199/ März 2019
Guten Tag,
kann Kirche Heimatstifter sein?

Doch lesen Sie selbst.
Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

Kirche macht Heimat
Und die Kirche mittenmang
www.die-kirche.de / Nr. 8 / 24. Februar 2019

Herr von Vieregge, eine Zeitlang war „Heimat“ heftig im Gespräch. Angesichts der Flüchtlinge und Einwanderer, die zu uns kamen,
meldeten sich Historiker zum Thema, Kulturkritiker, Publizisten, Schriftsteller, Philosophen, auch Theologen. Sie sannen meist über
Heimat als unbestimmtes Gefühl nach, als verlorenen Sehnsuchtsort, sogar als politischen Kampfbegriff. Neu ist, was Sie in die
Debatte einbringen: „Kirche als Heimat“.

Klar ist schon beim ersten Nachdenken, dass der Begriff Heimat sehr viel Emotionalität enthält, ein Sehnsuchtspotenzial, das fur Wohlfühlmomente und Verlustangste gleichermasen steht. Führende Repräsentanten, der Bundespräsident und der Bundesinnenminister, erstmals
auch Heimatminister, unseres Staates haben es sich zu ihrem Anliegen gemacht, für ein Verständnis von Heimat zu plädieren, das
irgendwie zur Demokratie, zum Staatsverständnis passt. Ich gehe einen Schritt weiter und mache deutlich, dass Kirche ein bedeutender
Beheimatungsakteur ist und will dafür werben, diese Rolle noch stärker wahrzunehmen.

Beheimatungsakteur?

In dem Sinne, dass Kirche beheimatet.Sie kann über die Kirchengemeinden mehr zur Beheimatung in allen Facetten tun. Ein Ansatz besteht
in der Vergewisserung, ein besonders wertvoller Akteur mit und für andere zu sein. Das Spielfeld ist die lokale Zivilgesellschaft. Eine solche Ausrichtung stärkt Demokratie und Kirche in ihr.

Ein weltlich’ Ding, ein Bollwerk des Zivilen? Aber die Aufgabe der Kirche ist doch weniger eine Mandatsübernahme in der Zivilgesellschaft als Seelenheil, Nächstenliebe und Glaubensverkündigung?

Das ist verkürzt und halbherzig. Read more →

Helmut Mühlmeier: Das Buch kann motivieren

27 Feb
27. Februar 2019

Blog 198/Febr. 2019

Guten Tag,
Helmut Mühlmeier ist ein evangelischer Theologe und Business Coach.
Seine Meinung zu meinem Buch ist mir, der ich ihn als kritischen Geist kenne, wichtig.

Mit besten Grüßen
Henning v. Vieregge

Henning von Vieregge greift das in der öffentlichen Diskussion häufig als defizitäres Ereignis diskutierte Thema des bürgerschaftlichen Engagements auf und verortet es um die Begriffe „Vertrauen“ und „Heimat“. Einerseits werden Bedingungen der Möglichkeiten für gelingendes bürgerschaftliches Engagement beschrieben und reflektiert, um dann an Beispielen für das Gelingen inhaltlich bedeutsame Elemente darzustellen. Andererseits wird aber auch ausführlich auf die dem Gelingen bürgerschaftlichen Engagements entgegenstehende Zusammenhänge eingegangen. Die analytische, diskursive und reflektierende Darstellung zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich im Kontext von Erfahrungen bewegt und so beim Lesen die Entwicklung konkreter Vorstellung fördert.
Das Buch ist reich an verarbeitetem Material, bewahrt aber dennoch die Freude am Lesen, weil es nicht bevormundet, Read more →

„Wo Vertrauen ist , ist Heimat“ – Wolf Schmidt bespricht das Buch und wünscht gute Heimatgefühle

22 Feb
22. Februar 2019

Blog 197/ Februar 2019

Guten Tag,

„Wo Vertrauen ist, ist Heimat“; das Buch fällt auf.
Wolf Schmidt, der Experte für das Stiftungswesen, setzt mit seiner Rezension dort an.
Sein Stiftungsblog ist eine empfehlenswerte Homepage.
Mit herzlichen Grüßen
Henning v. Vieregge

Wolf Schmidt,
21. Februar 2019

Heimat stiften
Nach den Themen Demographie (2016), Bildung (2017) und Digitalisierung (2018) steht beim diesjährigen Deutschen Stiftungstag „Unsere Demokratie“ im Fokus.
Vorausgegangen ist 2018 eine Studie des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen zu „Stiftungen und Demokratieförderung“. Theresa Ratajszczak und Jochen Suhnken verbinden darin normative Aussagen mit einer empirischen Erhebung.
Dort heißt es: „Demokratien brauchen Bürgerinnen und Bürger, die den normativen Anspruch der Volksherrschaft durch konkrete Teilhabe mit Leben erfüllen.“ Schaut man sich die empirischen Ergebnisse an, wie Stiftungen glauben, „demokratische Kultur“ und „tolerantes Miteinander“ zu fördern, dann steht mit weitem Abstand an der Spitze die „Förderung des bürgerschaftlichen Engagements“, gefolgt von „Arbeit für Toleranz, Vielfalt und gegen Diskriminierung“.
Beide Felder zeigen, wie schwierig es ist, Demokratieförderung operational zu fassen. Bürgerschaftliches Engagement ist ja keineswegs spezifisch für Demokratie. Sowohl die NS-Gesellschaft als auch der DDR-Sozialismus stützten sich in hohem Maße auf freiwilliges Engagement. Nun mag man einwenden, dem fehle das besondere Merkmal selbstbestimmter Eigensinnigkeit. Aber auch das löst sich nicht in reinem schwarz-weiß auf, sondern bedarf damals wie heute einiger Grautöne. Und was ist eigentlich mit einem bürgerschaftlichen Engagement, das von den in der Studie genannten, aber nicht definierten „un- oder gar antidemokratischen Sicht- und Verhaltensweisen“ geprägt ist?
„Vielfalt“ und Bekämpfung von „Diskriminierung“ sind Werte in westlichen Gesellschaften, die – unterschiedlich für USA und Westeuropa – noch kein halbes Jahrhundert Anerkennung genießen. Sie sind Elemente unserer politischen Kultur, aber nicht unbedingt konstitutiv für demokratische Staatsformen. Und sie sind nicht nur von rechts, sondern auch von links als liberale Identitätspolitik umstritten.
Hier lohnt es sich, ein neues Buch von Henning von Vieregge zur Hand zu nehmen. Read more →

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